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© Succession H. Matisse / VG Bild-Kunst, Bonn 2013

HENRI MATISSE

Nature morte / Stillleben mit Kupferkessel

1941

Tusche mit Feder auf geripptem Bütten
Inv. Nr. 16759 (Eigentum Städelscher Museums-Verein e.V.)

40.5 × 53 cm

zur  Biographie

Dieses lichte Stillleben aus Gefäßen und Früchten gehört zu einer Folge von Variationen, die Henri Matisse im Sommer 1941 in Nizza zeichnete. Mit minimalsten Mitteln charakterisierte der Künstler die unterschiedlichen Objekte. Ein aufgerichteter Kessel aus getriebenem Kupfer dominiert die Komposition. Neben ihm ist eine im Anschnitt gegebene, orientalisch wirkende Vase auszumachen. Sichtbare Pflanzenstiele betonen ihre gläserne Transparenz. Wie zufällig wirkt die gleichsam rhythmische Anordnung einer weiteren Vase im Hintergrund, einer Schale mit Feigen, einer Melone und sechs vereinzelter Früchte im Vordergrund, die an Birnen und Pfirsiche denken lassen. Extreme Nahsicht lässt das Zusammenspiel als Ausschnitt wirken.

Auf unbestimmtem Untergrund gruppiert, wird die Fläche des Papiers zum Raum und alles scheint sich in hellem Licht darzubieten. Die arrangierten Gegenstände sind der unmittelbaren Umgebung des Künstlers entnommen. Sie begegnen uns auch in seinen Gemälden und sind auf Photographien wiederzufinde Nicht Erdachtes, sondern Geschautes bot dem erfahrenen Künstler einen gesuchten Vorwand zum Zeichnen. Es ist eine selbst inszenierte Herausforderung, um allein mittels des Federstrichs gestalterische Grundideen zu bewältigen. Mit wenigen, dünnen Linien erfasste er die Umrisse, vermittelte die materielle Qualität und zugleich eine Vorstellung von Gewicht und Volumen. Eine einzige, auffällige Akzentuierung der Melone durch einen breiten Federstrich verleiht ihr zusätzliche Schwere und schafft so ein ausgewogenes Verhältnis zur Dimension des benachbarten Kessels, der durch sein spielerisches Dekor eher Leichtigkeit suggeriert.

Im Sommer 1941, inmitten der Kriegsjahre, zeichnete der über 70-jährige Künstler viel. Neben zahlreichen Stillleben gehörten Gesichter und Frauenakte zu seinen bevorzugten Themen. Berücksichtigt man, dass seine künstlerische Tätigkeit zuvor, nach einer schweren Operation, über Monate ruhen musste, so mag ihm das intensive Zeichnen gegenüber der Malerei leichter gefallen sein. Doch entsta den diese Zeichnungen nicht im Dienste der Malerei. Das Zeichnen blieb für Henri Matisse lebenslang ein eigenständiger, nicht endender Prozess der Klärung. In der Frankfurter Sammlung führt das »Stillleben« des Franzosen seine aufschlussreiche Zeitgenossenschaft zum späten Werk Paul Klees vor Augen. Den nachhaltigen Einfluss auf die folgende Generation kann unsere Zeichnung David Hockneys bezeugen.


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