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© Günther Förg

GÜNTHER FÖRG

IG Farben Haus VII

1996

Farbfotografie

242 × 162 cm

zur  Biographie

Günther Förg setzt sich auf ungewöhnliche Weise mit dem Raum auseinander. Schon seine ersten Ausstellungen bespielten Museen mit (z. T. fotografischen) Bildern wie auch mit wandfüllender Malerei, so dass sein künstlerischer Ansatz beispielhaft für eine Tendenz in der zeitgenössischen Kunst stehen kann: weg vom Einzelbild, hin zum Raum. So realisierte er 1991 zur Eröffnung des Frankfurter Museums für Moderne Kunst eine farbige Wandarbeit für das zentrale Treppenhaus, die zusammen mit einem Bronzerelief das architektonische Gefüge der postmodernen Museumsarchitektur konterkarierte. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn Günther Förg innerhalb anderer Werkgruppen mittels der Fotografie die Architektur der Moderne in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts künstlerisch erforscht. So entstanden etwa 1995 die Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Serie Architektur Moskau 1923–1941. Darin zeigt Förg Bauten von Melnikov, Ginzburg und Vesnin in Detailansichten und realistischen wie subjektiven Perspektiven, welche das Scheitern der (kommunistischen) Utopie und den erbarmungswürdigen Erhaltungszustand vieler Gebäude erkennen lassen.

"Alles streckt sich der Sonne entgegen", hatte Hans Poelzig über sein repräsentatives Gebäude für die IG-Farben am Rande der Frankfurter Innenstadt gesagt, das im Oktober 1930 von dem neuen Weltkonzern und ersten "Industrie-Trust" in Deutschland bezogen wurde. (Die IG-Fabrik in Auschwitz-Monowitz nannte Primo Levi das "Reich der Toten".) Förg stellt den Repräsentationsbau wirtschaftlicher Macht mit einer Innenansicht des Treppenhauses vor. Schon in der barocken Architektur war das Treppenhaus wesentlicher Bestandteil der Hermeneutik der Macht. Förgs Perspektive nimmt genau die Erhabenheit von Raum und Licht – die Leere des Raums – im Zusammenspiel mit den eleganten Formen und edlen Materialien wie etwa dem Blattsilber an der Decke in den Blick. Die Farbfotografie stammt aus der Zeit nach der mittleren Nutzungsphase des Baus, den die Amerikaner unter General Eisenhauer als Headquarter nutzten. Heute wird er n den Studierenden der Johann Wolfgang Goethe-Universität bevölkert, von denen man gelegentlich hören kann, wie eigentümlich es sei, in einem Kulturdenkmal zu studieren.
12345  Bewertung: (5.00)

sagte:
Die Fotografie ist wunderschön, ich mag die klaren Strukturen - aber immer wieder werde ich davon abgelenkt, dort studiert zu haben und die Treppe fast täglich emporgestiegen zu sein.
Geschrieben um: 30.12.2008 16:48
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