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SEYDOU KEÏTA

Ohne Titel

1949-63/1998

Silbergelatine

63 × 76.5 cm

zur  Biographie

Im Zuge der Entdeckung einer eigenständigen afrikanischen Fotografie seit Mitte der 1990er Jahre nimmt das Werk von Seydou Keïta aus Mali eine wichtige Stellung ein. Er war Schreiner, bevor er bei einem befreundeten Fotografen in die Lehre ging und sich 1949 selbständig machte. Schon bald erwarb er sich in Bamako hohes Ansehen als Porträtfotograf. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen der buntgemischten Besucher seines hauptstädtischen Ateliers in diesem Konvolut stammen aus den 50er Jahren, der Zeit des Beginns politischer Selbstständigkeit und einer kulturellen Moderne auf dem afrikanischen Kontinent.

Aus zeitlicher und räumlicher Distanz betrachtet, vermitteln diese Fotografien zum einen wohl eine gewisse Nostalgie, zum anderen machen die einfachen Mittel, formale Klarheit und intelligente Erfindungsgabe dieser Fotografie das gebrauchsgrafische Dokument zum überzeitlichen Bild. Keïtas nach einem klassischen Muster der Bildnistradition frontalen Inszenierungen vor traditionellen Stoffen geben den Fotografierten ein würdevolles Aussehen. Darüber hinaus spiegelt sich in solchen Porträts, an deren Inszenierung die Porträtierten einen großen Anteil haben, noch etwas vom Selbstbewusstsein der neu entstehenden afrikanischen Staaten. Die Kamera ist jetzt vom kolonialistischen Instrument äußerer Vereinnahmung zu einem Medium der Selbstdarstellung geworden. Für das Statussymbol "Foto" haben die Menschen ihre schönsten Kleider angezogen, und so erzählen diese Zeugnisse auch von den gesellschaftlichen Aspirationen der Dargestellten und des Fotografen. Wir nehmen vor allem die ästhetische Schönheit der Stoffe und Menschen wahr. Die Codes der Dinge, die Sprache der Stoffmuster und Requisiten entziehen sich dem schnellen Verständnis. Entscheidend ist aber, dass es sich in diesen Fällen eben nicht um europäische Kleidung handelt. Überraschend für das westliche Auge mögen auch die zahlreichen Freundinnenbilder erscheinen sowie die vergleichsweise viel komplexere Gestalt der Institution Familie, die sich in Keïtas Werk zeigt.

Hubert Beck

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