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MARIE-JO LAFONTAINE

Liquid Crystal

1999

214 × 128 cm

zur  Biographie

Die spektakuläre Videoinstallation Les Larmes d´Acier, mit der Marie-Jo Lafontaine an der documenta 8 teilnahm, brachte die Belgierin in den Fokus zeitgenössischer Gegenwartskunst. Im Rahmen der Frankfurter Skyarena zur Fußball-WM 2006 gestaltete Lafontaine den künstlerischen Teil mit der Videoinstallation I love the World, die in enormer Größe auf Fassaden von Hochhäusern projiziert wurde. So vielschichtig sich die Arbeiten Lafontaines präsentieren, so umfangreich gestaltet sich auch die Wahl ihrer Medien. Sie schafft neben Videoinstallation und Skulpturen auch fotografische Arbeiten.

Liquid Crystal, Flüssigkristall, nennt Marie-Jo Lafontaine ihre Serie der Schwarz-Weiß-Porträts junger Heranwachsender. Flüssigkristalle vereinigen typische Eigenschaften einer Flüssigkeit, wie etwa das Fließverhalten, mit denen von Festkörpern, wie etwa die Richtungsabhängigkeit. Beide vollziehen sich anschaulich beispielsweise beim Phänomen des Magnetismus. Dieses chemischphysikalische Phänomen steht geradezu metaphorisch für das der Pubertät, in der das Kind sich auf der Suche nach einer eigenen Identität als Erwachsener befindet. In dieser Phase erkennt sich das Individuum als soziales und sexuelles Wesen und sucht nach einer Position in der Gesellschaft. Diese Reise bietet buchstäblich fließende oder, anders gesagt, offene Möglichkeiten sowie gleichzeitig feste Strukturen die richtungsweisend wirken. Die Porträts Lafontaines zeigen Jugendliche in der Frontalansicht des gesamten Oberkörpers. Die eingenommenen Posen wirken zuweilen trotzig, adaptierend, teilweise gezwungen, cool und manchmal auch skeptisch. Durch die überlebensgroßen Aufnahmen verleiht ihnen die Künstlerin eine Würde, die von ihrer Anerkennung und Achtung vor der heranwachsenden Generation zeugt. Im Unterschied zu einem Wolfgang Tillmans, der seine Jugendkulturstudien vor Ort anstellt, in die Szene eintaucht und seine Darsteller in ihrer gewohnten Umgebung ablichtet, holt Lafontaine ihre Modelle ins Studio und lässt sie bewusst vor weißem Hintergrund posieren. Die Augen der dargestellten Personen suchen den direkten Kontakt mit dem Betrachter. Ihre Pupillen sind leicht nachkoloriert. Damit betont die Künstlerin die Evidenz des Blicks, der auf vielfältige Weise Ausdruck findet und interpretierbar ist. Im Blick offenbart sich die Seele eines Menschen, seine Persönlichkeit, um nicht zu sagen, seine Einstellung zur Welt und zur Gesellschaft. Doch letztendlich gestaltet sich das Deuten eines Blicks in Abhängigkeit zum Betrachter und seinen Projektionen.

Janina Vitale

12345  Bewertung: (4.00)

zava sagte:
super, ich liebe das Photo!
Geschrieben um: 21.11.2008 16:53
Hansito sagte:
tolle belichtung, und tiefe.!
Geschrieben um: 21.11.2008 12:16
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