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© Louise Lawler

LOUISE LAWLER

It could be Elvis

1994

Cibachrome, Hochglanz

74.5 × 91 cm

zur  Biographie

Könnte der untere Gesichtsteil im oberen Bereich des Fotos wirklich zur Physiognomie von Elvis Presley gehören, wie es der Titel nahe legt (It could be Elvis, 1994)? Nein! Es kann sich natürlich nur um Joseph Beuys handeln, reproduziert von Andy Warhol. Aber das Bild, dessen Detail da zu sehen ist, geriet in eine Sammlung und hat dort nun auf Grund des kommerziellen Vorgangs und weit abgelegen vom sozialen Entstehungsort, seine Autonomie verloren. Von diesem Verlust infolge Verlagerung (in eine Privatkollektion oder ein Museum) handelt das Foto, bzw. das gesamte fotokünstlerische Werk von Louise Lawler; seit sie 1982 in der New Yorker Galerie Metro Pictures mit den Arbeiten anderer Künstler (darunter Cindy Sherman und Robert Longo) ein Arrangement of Pictures zusammenstellte und anschließend sowohl die fotografierte Gesamtszene wie später jede einzelne Arbeit aus dem Arrangement als unvollständiges Zitat in der neuen räumlichen Umgebung fotografierte. Die Verstrickung des Kunstwerks in soziale Lebensbereiche ist das Thema der fotografischen Aneignungskunst (Appropriation Art) von Louise Lawler. Ob auf der Londoner Frieze Art, auf der Art Cologne, der Art Basel und der Art Miami – wo Sammler sich Kunst in die häusliche Wohngemeinschaft kaufen, ersetzen sie das nicht mehr erreichbare oder unerschwingliche Originalkunstwerk gern durch den Ankauf einer Interieur-Fotografie von Louise Lawler. Denn das fotografierte Interieur enthält ausschnittweise das Detail eines teuren Desiderats. Wenigstens durch das Zitat soll nun die teure Kunst in den privaten Räumen vertreten sein. Unter neuen "Rahmenbedingungen" wird das bekannte, museal längst geadelte Kunstwerk als Restbestand annektiert. So erscheint ein "drip painting" von Jackson Pollock über einem Buffet mit Suppenschüssel oder Was Elvis sein könnte (nämlich der Beuys von Warhol) hängt neben einer alten japanischen Intarsienarbeit über rocailliertem Beistelltisch. Die Lawler-Fotos überspielen den dekorativen Umgang mit versatzstückhaft angewandter Kunst.

Günter Engelhard
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