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© Cindy Sherman

CINDY SHERMAN

Ohne Titel #77

1980

Farbfotografie

66.5 × 85.5 cm

zur  Biographie

Nach einer Künstlergeneration, die im Rahmen der Minimal Art die Ikonizität und Ästhetik in der Kunst leugnete und sie vielmehr auf intellektueller denn auf visueller Ebene rezipiert sehen wollte, kam bei einer Gruppe von jungen Kunststudenten Mitte der 1970er Jahre, unter ihnen Cindy Sherman, Robert Longo und Richard Prince, das Verlangen nach einer Kunst mit bildlichen und narrativen Qualitäten auf. Cindy Sherman studierte zunächst Malerei an der State University at Buffalo, widmete sich aber bald dem Medium der Fotografie. Shermans Arbeiten bewegen sich überwiegend im Bereich der Selbstinszenierung. Zwar lichtet sich die Künstlerin vorrangig selbst ab, trotzdem sind ihre Fotografien keinesfalls, wie sie selbst immer wieder betont, als Selbstporträts zu verstehen. Die frühen arrangierten Arbeiten der Werkgruppe Untitled Film Stills (1977–80), durch die Sherman Berühmtheit erlangte, wirken wie Standbilder aus Hollywoodfilmen der 1950er Jahre, deren Figuren äußerst schablonenhaft gezeichnet erscheinen. Die erotisch aufgeladenen Bilder Shermans, die die inszenierte Künstlichkeit nicht zu verbergen suchen – in vielen Bildern ist beispielsweise die Auslöserschnur der Kamera zu sehen – vermitteln, dass (sexualisierte) Weiblichkeit etwas Künstliches, Aufgesetztes, eben etwas Konstruiertes ist. Sherman referiert und reproduziert in diesen sowie in einigen folgenden Farbaufnahmen der Serien Rear Screen Projections (1980) und Centerfolds (1981) Rollenklischees der Medien sowie der Gesellschaft. In immer wieder neuen Kostümen und Kulissen wird sie zur Darstellerin stereotyper Fraulichkeit. Dabei schlüpft sie mit Perücke und Make-up in die Rolle der erschöpften Hausfrau oder auch der lasziven Blondine. Die Künstlerin arbeitet nach einer strengen Methode, wobei Posen und Mimiken komponiert und verändert werden, bis sie einem bestimmten Wesenszug der darzustellenden Figur entsprechen. Die Fragen nach Identität, Rolle und Projektion, nach dem Verhältnis von Bild und Abgebildetem stehen im Zentrum der Arbeiten Shermans. Ungeachtet jeder theoretischen Untersuchung hat Sherman zweifellos ihr selbst formuliertes Ziel erreicht: "Ich wollte etwas finden, mit dem jeder etwas anfangen konnte, auch wenn er keine Ahnung von zeitgenössischer Kunst hatte." So lassen die Werke einen emotionalen Zugang zu und bieten gleichzeitig Potential für kritische und kunsttheoretische Diskurse.

Janina Vitale

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