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© Thomas Struth

THOMAS STRUTH

Louvre III, Paris

1989

Cibachrome, Diasec, Hochglanz

152 × 175.5 cm

zur  Biographie

Als die Fotografie 1976 zu akademischen Ehren kam und an der Düsseldorfer Kunstakademie dank des Lichtbildkünstlers Bernd Becher rasch in die Senkrechte startete, wechselte Thomas Struth, Student der Malerei bei Gerhard Richter, in die Becher-Klasse. Die Fähigkeit zur malerischen Sicht der realen Verhältnisse nahm er mit. Bis heute ist die zurückhaltende Betrachtung der Menschen und ihrer Lebensräume persönliches Kennzeichen geblieben. Thomas Struth schaut in die Welt und auf die Family of Man, als erwarte das eben vollendete Lichtbild, ähnlich einem Gemälde von der Staffelei in das Bewusstsein derer gehoben zu werden, die sich ihrer Verortungen und Verbindungen noch unbewusst sind. Als Frühaufsteher blickte Thomas Struth während seines New- York-Stipendiums 1978 zunächst in leere Straßen und auf Gebäudefassaden. Es folgten die Wohnhausketten von Paris, historische Stadtviertel (Neapel) mit den Attributen heutiger Belebung, bevölkerte Straßen und Plätze in Tokio und Rom als Schaubühnen städtischer Kultur, Hochhäuser ähnlich ins Stadtbild gepflanzten Pfahlbauten (Totems). In all diesen zugleich dokumentarischen Zyklen kommt Eine andere Objektivität (Ausstellungstitel 1989) zum Ausdruck, die sich dem malerisch geschulten Blick verdankt. Die berühmte Serie der Publikumsbeobachtungen in den großen Museen der Welt folgt dem von Modest Mussorgskij hörbar gemachten Prinzip, die Haltungen und Reaktionen von Betrachtern der Bilder einer Ausstellung durch "Promenaden" so darzustellen, dass der Betrachter der Bilder von Thomas Struth über den historischen Abstand zu den Gemälden hinweg die Annäherungsweisen, das Interesse, den Gleichmut, die Erschöpfung seiner Zeitgenossen (und damit eigenes Verhalten, eigene Fantasien) wahrzunehmen vermag. Für seine Familien-Porträts aus verschiedenen Kulturkreisen hat der Fotograf es den Familien überlassen, sich selbst zu positionieren, so dass seine Diskretion den Betrachter dieser Fotos umso dringlicher dazu animiert, über verdeckte und versteckte interfamiliäre Beziehungen zu spekulieren. So wird das Unbewusste bewusst.

Günter Engelhard
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