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© VG Bildkunst, Bonn 2013

VALIE EXPORT

Zeitgedicht/ 24 Stunden 24 mal fotografiert

1970

Schwarz-Weiß-Fotografien, 4-teilig
Inv. Nr. DZ BANK-Sammlung im Städel Museum

90 × 90 cm

zur  Biographie

Kategorie: Konzeptuelle Fotografie

 

"Seit 1972 beschäftige ich mich zeichnerisch, fotografisch und aktionistisch mit Körperhaltungen als Ausdruck innerer Zustände, dargestellt in der Natur wie in der Architektur, als Anpassung, Einfügung, Zufügung des Environments." Für ihr fotografisches Zeitgedicht, 1970, hat Valie Export in stündlichem Abstand 24 Aufnahmen aus ihrem Zimmer gemacht. Diese Schwarz-Weiß-Fotos werden in vier Sechserblöcken präsentiert. Wenn der Blick aus dem Fenster auch ein Zentralmotiv traditioneller Kunst ist, wird dieses Motiv hier durch die serielle Präsentationsform sowohl reliefartig (räumlich) dynamisiert als auch radikal verzeitlicht, indem die Dauer des Tages – im Verlauf von Hell nach Dunkel – zu dem "Moment" der einzelnen Aufnahme in ein Spannungsverhältnis gebracht wird. Das heißt, man könnte auf den grundlegenden wie der Alltagserfahrung scheinbar widersprechenden Gedanken kommen, dass der Augenblick nicht in der Zeit liegt, sondern die Zeit im Augenblick. Das Motiv des Von-Innen-nach-Außen und der Verweis auf die Poesie bringen das Konzept weiblicher Innerlichkeit ins Spiel, das die Künstlerin in Aktionen im städtischen Raum, bei denen ihr eigener Körper im Mittelpunkt steht, neu definiert. So beispielsweise in der fotografischen Serie der Körperkonfigurationen aus den frühen 1970er Jahren. Ihr berühmtestes "Werk" zeigt zugleich Exports Rolle in den feministischen Aufbrüchen der Zeit. Es ist die Dokumentationsfotografie im Zusammenhang mit dem Aktionsfilm Tapp und Tast Kino, 1968, die sie mit dem "Brustkasten" auf der Straße zeigt, in den der Mann mit dem Parka hineingreift.
Bei allen Affinitäten zu den fast zeitgleichen Werken Die Wand von Klaus Rinke und Three Frame Studies von Vito Acconci wird hier die besondere Rolle von Valie Export deutlich. Für alle drei Künstler, die in den 70er Jahren die Fotografie für ihre konzeptuellen Arbeiten nutzen, kann aber gelten, was die Künstlerin nicht zuletzt über ihre Arbeit Zeitgedicht sagt: "Die eigentliche Handlung liegt außerhalb des sichtbaren Geschehens – in den Bruchstellen liegt das eigentliche Bild."

Hubert Beck

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