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© VG Bildkunst, Bonn 2013

THOMAS RUFF

Nacht 11 II

1992

Farbfotografie
Inv. Nr. DZ BANK-Sammlung im Städel Museum

189 × 189 cm

zur  Biographie

Die Geschichte der Fotografie ist auch die Technik-Geschichte einer ungeheuren Aufrüstung des menschlichen Augensinns. Von Anfang an ist sie ebenso ein Medium der Aufklärung wie der Ver-Klärung. Die Allgegenwärtigkeit fotografischer Bilder ist unbestreitbar, denkt man neben der künstlerischen auch an die anderen (wissenschaftlichen, technischen, sozialen) Gebrauchsweisen. Thomas Ruff hat sich vielleicht mehr als die Künstler seiner Generation, die mit dem fotografischen Bild arbeiten, mit den technischen und kulturellen Aspekten des Mediums beschäftigt. So sind seine "Nachtbilder" (1992–1995) zweifellos von den nächtlichen Medienbildern des zweiten Golfkriegs und der amerikanischen Vision einer chirurgischen Kriegsführung mit bildgesteuerten "smart bombs" beeinflusst. Entstanden sind sie mit einer Kombination von Kamera und Nachtsichtgerät (auch eine Art Camera obscura). Daher die grünliche Farbe und Unschärfe dieser Aufnahmen. Das menschliche Auge hätte diese Industrielandschaften bei Nacht so gar nicht sehen können. Ruff knüpft mit den Nachtbildern auch an seine frühen Aufnahmen von banalen Wohnblöcken an. Entscheidend ist aber, dass das funktionale Licht der gnadenlosen Sichtbarkeit an diesen Orten in einer künstlerischen Weise eingefangen wird, welche die Gebäude und Plätze einerseits fremd erscheinen lässt, als seien sie gerade wie Ufos gelandet, andererseits aber auch die große Tradition urbaner Stadtbildlichkeit der Malerei des modernen Lebens aufleuchtet. Obwohl Außenaufnahmen, sind diese großformatigen Farbfotografien von einer Intensität wie Vincent van Goghs Nachtcafé (1888). Der Maler sagt über sein Bild: "In meinem Bild vom Nachtcafé habe ich auszudrücken versucht, dass das Café ein Ort ist, wo man sich ruinieren, wo man verrückt werden und Verbrechen begehen kann." Die Kunst von Thomas Ruff erinnert immer auch daran, dass die Bedeutung der Fotografie nicht daher rührt, dass man sie zum Festhalten von Tatsachen verwenden kann.

Hubert Beck

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