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© VG Bildkunst, Bonn 2013

ULRIKE ROSENBACH

Wachshörnerhaube

1972

Schwarz-Weiß-Fotografien
Inv. Nr. DZ BANK-Sammlung im Städel Museum

62.5 × 72 cm

zur  Biographie

Die Frau mit der Wachshörnerhaube verrät ihre Abstammung von einer Vorfahrin aus dem 16. Jahrhundert. Entstanden ist sie aber 1972 in Folge einiger foto- und videografischer Selbstbetrachtungen, mit denen die Künstlerin Ulrike Rosenbach Partnerinnen aus der Kunstgeschichte zitierend in ihre Aktionen aufnimmt, um sozusagen aus Dornröschens schlummernden Energien den prozessualen Weg der Selbstfindung heutiger Frauen abzuleiten. Reflektionen über Botticellis Geburt der Venus, aber auch die Pfeilbeschießung einer Reproduktion von Stefan Lochners Madonna im Rosenhag im Rahmen einer Pariser Performance gehören dazu,wobei die Künstlerin sich selbst in das gefilmte Bildnis der malträtierten sanften Muttergottes projiziert hat – denn, so hieß die Aktion: Denken Sie nicht, dass ich eine Amazone bin. Die fünfteilige Sequenz der vom eigenen Kopf in die imaginierte Schnurrbarthöhe wandernden Haube aus mit Gaze überzogenem Wachs auf Drahtgestellen entstand drei Jahre nach den Hauben für eine verheiratete Frau. Es war die Zeit, in der die Meisterschülerin von Joseph Beuys ihren Platz auf der internationalen Szene neben Vertretern der Body Art wie Acconci, Oppenheim, Nauman einzunehmen begann. Als Lehrbeauftragte für Feministische Kunst und Medienkunst wechselte Ulrike Rosenbach bereits 1975 aus der Position einer rheinischen Studienrätin für Kunsterziehung an das California Institute of the Arts. Nach der Rückkehr gründete sie in Köln eine Schule für kreativen Feminismus. Sie lehrte als Gastprofessorin in Kassel, Berlin, Wien, Maastricht, München und Utrecht. 1989 erhielt sie den Lehrstuhl für Künstlerische Medien an der Hochschule für Bildende Künste in Saarbrücken, deren Rektorin sie einige Jahre war. Seither hat Ulrike Rosenbachs bildnerisch bewegtes Ritual der Festlegung eines neuen weiblichen Rollenverständnisses längst über das "psychische Feedback" der Spiegelung ihrer persönlichen Situationen hinaus Anerkennung im Bereich gesellschaftskritischer Medien-Installationen gefunden.


Günter Engelhard

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