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© VG Bildkunst, Bonn 2013

THOMAS DEMAND

Büro

1995

Farbfotografie
Inv. Nr. DZ BANK-Sammlung im Städel Museum

185 × 240 cm

zur  Biographie

Die Rezeption der Fotografien von Thomas Demand verläuft in der Art eines Hürdenlaufs und bewegt sich zwischen vermeintlichem Erkennen und tatsächlichem Erkennen: Auf den ersten flüchtigen Blick scheint sich der Bildinhalt eindeutig zu offenbaren. Der Betrachter erkennt, wie es jeweils die Titel ankündigen, ein Büro, ein Badezimmer oder einen Raum. Doch der Betrachter täuscht sich. Das Lichtbild einer scheinbar vorgelagerten Wirklichkeit entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Abbild eines handgefertigten Modells. In akribischer Feinarbeit klebt und faltet Demand farbiges Papier und Karton zu einer Szene, die sich im Maßstab 1:1 nach einem bestimmten "Vor-Bild" richtet. Als Vorlage für seine Arbeiten dienen ihm Bilder, die meist durch die Massenmedien enorme Verbreitung erfahren haben und die daher weitgehend im kollektiven Gedächtnis verankert sind. Die gefundenen Bilder beziehen sich häufig auf Orte, die durch ein Ereignis mit einer speziellen Bedeutung aufgeladen sind. Das Vorbild kann historisch sein wie beispielsweise das fotografische Dokument des Führerhauptquartiers nach dem Bombenattentat gegen Hitler, das sich in Demands Werk Raum widerspiegelt. Ein Pressefoto der Leiche des Politikers Uwe Barschel stand am Anfang von Badezimmer. Vorlage der Arbeit Büro waren Presseaufnahmen der ehemaligen Stasi-Zentrale, die nach dem Mauerfall von Bürgern verwüstet wurde. Zunächst kommen Zweifel über die Wirklichkeit im Bild auf, dann gegenüber dem fotografischen Bild selbst. Die Frage des Betrachters nach dem Bildinhalt verlagert sich auf Fragen, die das Medium der Fotografie an sich betreffen. Die gängige Annahme einer analogen Relation zwischen Bild und Gegenstand gerät unweigerlich ins Wanken. Damit steht Demand zunächst in der Tradition der konzeptuellen Fotografie der 1970er Jahre, die sich von dem Glauben an die Authentizität und Objektivität des fotografischen Bildes zu distanzieren suchte. Demand greift als ausgebildeter Bildhauer die Abbildkritik qua Modell auf, führt jedoch zusätzlich neue Aspekte in sein Werk ein. Im Zentrum seiner Arbeiten steht die Bildwahrnehmung, speziell die der Pressefotografie. Indem er den Betrachter auffordert, die Beziehung zwischen der Wahrnehmung der äußeren Welt und ihrer Bedeutungszuweisung zu hinterfragen, weist er auf die gezielte Konstruktion symbolischer Bedeutungen innerhalb einer Fotografie hin.

Janina Vitale

12345  Bewertung: (5.00)

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