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© VG Bildkunst, Bonn 2013

KATHARINA SIEVERDING

Steigbild I

1997

Farbfotografien, Triptychon
Inv. Nr. DZ BANK-Sammlung im Städel Museum

300 × 125 cm

zur  Biographie

Als das Jahrhundert zu Ende ging, 1997, vollzog sich im Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig eine scheinbar kosmische Verwandlung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Künstlerin Katharina Sieverding ihr monumentalisiertes fotografisches Konterfei meist halb als Beschwörung einer antiken Gottheit, halb als Negativspiegelung eines mörderisch schönen Vamps bekannt gemacht und den Eindruck erweckt, als mutiere ihr kosmetisch verfremdetes
Normalgesicht auf den Fotoarbeiten in eine planetarische, von dunkel glühenden Sonnenflecken überzogene Vision. Jetzt aber waren auf seidig wirkenden, 300 × 375 cm großen C-Prints neun Steigbilder mit androgynen Doppelprojektionen in durchleuchteten Schädeln zu sehen. Der Kopf leuchtete von innen, aus dem organischen Kosmos.
Seit Beginn der 1970er Jahre, nachdem das beim Bühnenbildner Teo Otto an der Akademie und parallel dazu im Düsseldorfer Underground am eigenen Leib in eigenen Kostümen erprobte theatralische Talent bei Joseph Beuys das Diplom der Meisterschülerin erworben hatte, transformierte Katharina Sieverding in den Sequenzen ihres Gesichtes doppelgeschlechtliche Verfassungen. Durch Überblendung nahm sie das Gesicht des Künstlers Klaus Mettig, ihres Lebenspartners und Vaters ihrer Kinder, in das eigene Porträt hinein. Am Anfang ihrer Karriere hatte sie sich die Schutz- und Abwehrfunktion asiatischer und indianischer Masken
zunutze gemacht. In der Dunkelkammer verwandelte sie ihre Physiognomie in eisige und strahlende Gestirne. Auf die makrokosmischen Erkundungen folgte die Reise in das durch medizinische Optik darstellbare Gefäß- und Gewebesystem des Körpers. Im Verlauf ihrer 15-jährigen Professur an der Berliner Universität der Künste (1992–2007), in ihren Klassen an der Salzburger Sommerakademie und der Academy of Fine Arts in Hangzhou hat sie nicht
nur mit den magischen Farbwirkungen der Blow-up-Fotografie Schule gemacht, sondern auch Röntgenbilder, Szintigramme und MRT-Aufnahmen für künstlerische Verfremdungen einer radiologisch sondierten Wirklichkeit im Mikrokosmos der menschlichen Anatomie genutzt.

Günter Engelhard
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