Größenvergleich

© VG Bildkunst, Bonn 2013

Bibliothèque Nationale de France Paris XVIII

1998

Farbfotografie
Inv. Nr. DZ BANK-Sammlung im Städel Museum

81 × 63 cm

zur  Biographie

Die Fotografie ist ein Produkt der bürgerlichen Aufklärung, der wissenschaftlichen Neugier und des Wunsches, sich ein Bild von der Welt zu machen. Die Kölner Künstlerin Candida Höfer fotografiert hauptsächlich in Großstädten und hat sich dabei auf Innenräume von Orten des bürgerlichen öffentlichen Lebens spezialisiert. Zu ihren Motiven gehören etwa Bibliotheken (z.B. die Nationalbibliothek in Paris), Konzertsäle, Zoos und Parks und immer wieder Museen. Diese den Menschen zugedachten öffentlichen Orte sind meist menschenleer. Sie entfalten aber über das Lichtmotiv und durch die perspektivische Strenge ein magisches Raumgefühl, das vielleicht mehr über soziale Verfestigungen verrät als viele Abbilder von Menschen. Die durch das Licht verschärften räumlichen Ordnungsstrukturen kennzeichnen das serielle Prinzip dieser Arbeiten. Museum und Bibliothek werden bei aller Sachlichkeit dieser Fotografien aber auch als symbolische Orte sichtbar. Sie repräsentieren eine bürgerliche Öffentlichkeit, die es heute so nicht mehr gibt. Bei vielen Aufnahmen fallen die Ausgänge ins Auge, als wolle die Künstlerin gar nicht hinein, sondern gleich wieder hinaus. Wie in der Literatur, im Roman, scheinen das eigentlich Sprechende weniger die Handlung, die konkreten Figuren oder der Ort an sich zu sein, als vielmehr die Atmosphäre. Candida Höfers Fotografien spiegeln den melancholischen Blick des distanzierten Sehens wider. Franz Hessel, der Freund und ästhetische Antipode Walter Benjamins, notierte in sein Pariser Tagebuch von 1929: "Ich empfinde eine seltsame Scheu, ins Innere der Häuser vorzudringen, ich bleibe am liebsten auf der Straße, auf Terrassen, an Bars. Bin ich nicht gerne ein Fremder? Bei allem, was ich sehe, zu Gast?"

Hubert Beck
12345  Bewertung: ()

Noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar hinzufügen

E-Card versenden


* Pflichtfeld

Absender:






Empfänger:








Nachricht:



Copyright © 2014 Städel Museum. Alle Rechte vorbehalten.