Kreaturen
Georg Baselitz und
die 1960er-Jahre

Kabinettpräsentation | 7. September – 28. November 2021

Dank einer großzügigen Schenkung von Dr. Dorette Staab erhält das Städel Museum elf zentrale Werke des deutschen Künstlers Georg Baselitz, womit es seinen Sammlungsbestand um bedeutende Werke aus dem Frühwerk des Künstlers erweitert. Die Kabinettpräsentation zeigt die jüngsten Baselitz-Schenkungen zusammen mit weiteren zum Großteil geschenkten Werken des Künstlers in der Sammlung Gegenwartskunst. Die Präsentation ist ausschließlich den 1960er-Jahren gewidmet, einem der prägendsten Jahrzehnte im Œuvre von Georg Baselitz. In diesen ereignisreichen Jahren manifestiert sich sein vollkommen eigenständiger Umgang mit figurativer Kunst und dem Abbild des Menschen. Damit hat er nicht nur die direkte Nachkriegskunst aufgewühlt, sondern auch für nachfolgende Künstlerinnen und Künstler den Weg in eine neue Malerei bereitet. In der Ausstellung skizziert werden die Phasen, die Baselitz’ Frühwerk auszeichnen: die sogenannte Pandämonische Phase, die „Helden“ und „neuen Typen“ sowie die anschließenden Frakturbilder und den Übergang zu der vollständigen Umkehrung des Bildmotivs Ende des Jahrzehnts.

1966 vermietet Dorette Staab ihr Elternhaus in Osthofen bei Worms an den jungen Georg Baselitz und seine Familie. Bereits sehr früh – und entgegen des damals vorherrschenden Kunstgeschmacks – hat sie die Bedeutung seiner Kunst erkannt, Georg Baselitz langjährig gefördert und Arbeiten von ihm erworben. Die promovierte Historikerin Dorette Staab unterstützt das Städel Museum seit mehreren Jahren mit wichtigen Schenkungen.

Über Georg Baselitz

Baselitz siedelt 1958 von der DDR in die Bundesrepublik über. Dort wird er nicht nur mit einem anderen politischen System, sondern auch mit einer anderen Auffassung von zeitgenössischer Kunst konfrontiert. In Ostdeutschland ist der Sozialistische Realismus das Gebot der Stunde, eine rein gegenständliche Malerei, die auch die Werte der Staatsführung der DDR propagieren soll. In Westdeutschland gilt die Abstraktion als Maß aller Dinge. Sie steht für Internationalität und Zukunftsorientierung, verweigert sich jedoch jeglicher Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Weder das eine noch das andere entspricht Baselitz’ Vorstellungen von Kunst. Er sucht das Unbequeme und will zurückschauen in einer Zeit, in der in beiden Teilen Deutschlands der Blick nach vorn gerichtet ist.

Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten ändert der Künstler immer wieder seine Taktik, hält aber stets an der figurativen Darstellungsweise fest. In den klassischen Medien, der Malerei, Zeichnung und Druckgrafik, dekliniert er den Körper in all seinen Facetten durch. Die gegenständliche Malerei als Ausgangspunkt treibt er bis an ihre Grenzen, und doch verliert sie sich nie in die Abstraktion. Nach einem Jahrzehnt, gezeichnet vom Unverständnis gegenüber seiner Kunst, von Umbrüchen und Erneuerungen, stellt er am Ende die Welt in seiner Malerei buchstäblich auf den Kopf.

Die Präsentation befindet sich im Sammlungsbereich Gegenwartskunst (UG), Räume 14 und 15.

Galerie

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    Georg Baselitz, Hund und Hase abwärts, 1967

    Georg Baselitz (* 1938)
    Hund und Hase abwärts, 1967
    Dispersion und Kohle auf Leinwand
    162 x 130 cm
    Erworben 2020 als Schenkung von Dorette Staab
    © Georg Baselitz 2021

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    Georg Baselitz, Der Hirte, 1965

    Georg Baselitz (* 1938)
    Der Hirte, 1965
    Kaltnadelradierung auf Kupferdruckpapier
    Probedruck
    433 x 324 mm
    Erworben 2020 als Schenkung von Dorette Staab
    © Georg Baselitz 2021

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    Georg Baselitz, Ohne Titel, 1967

    Georg Baselitz (* 1938)
    Ohne Titel, 1967
    Farbholzschnitt von drei Stöcken in Schwarz über Violett über Ocker auf Vergépapier
    Probedruck
    488 x 315 mm
    Erworben 2020 als Schenkung von Dorette Staab
    © Georg Baselitz 2021

Mehr zu Georg Baselitz

  • Multimediales Online-Angebot

    Digitorial®

    Das kostenlose Digitorial® bietet online Hintergründe und Informationen zur Ausstellung „Georg Baselitz. Die Helden“, die 2016 im Städel Museum zu sehen war.

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  • ORAL-HISTORY-PROJEKT

    Café Deutschland

    Im Gespräch mit der ersten Kunstszene der BRD. Hier kommen neben Goerg Baselitz mehr als 70 Künstler, Galeristen, Kunsthistoriker, Kritiker und Sammler zu Wort.

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