Passavant-Kolloquium
Impressionistische
Skulptur

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Schülertag
  • Medardo Rosso, Das Goldene Zeitalter (Aetas aurea), 1902

Flüchtigkeit in Wachs und Bronze

Rembrandt Bugatti – Edgar Degas – Auguste Rodin – Medardo Rosso – Paolo Troubetzkoy
Das Phänomen des Impressionismus fasziniert noch rund anderthalb Jahrhunderte nach seiner Entstehung weltweit. Im Gegensatz zur Malerei ist die im Umfeld des Impressionismus entstandene Skulptur allerdings ein kaum erforschtes Gebiet. Dabei entwickelten sich innerhalb weniger Jahrzehnte höchst unterschiedliche bildhauerische Konzepte, die Flüchtigkeit und Immaterialität erfassen wollten. Dies bedeutete einen Wendepunkt sowohl im Selbstverständnis der Bildhauer als auch in der Wahrnehmung einer Gattung, die Charles Baudelaire noch wenige Jahre zuvor als ungeeignet empfand, der Flüchtigkeit des modernen Lebens Ausdruck zu verleihen.

Das Frankfurter Kolloquium widmet sich anhand ausgewählter Fallbeispiele der Kernfrage, was es bedeutet, die Charakteristika der impressionistischen Malerei und Grafik wie Licht, Farbe, Stimmung oder Bewegung in Materialien wie Stein, Bronze, Wachs oder Gips zu übersetzen. Kann es so etwas wie eine „impressionistische Skulptur“ per Definition überhaupt geben? Was genau macht diese aus? Und welche neuen Erkenntnisse entstehen im Dialog der Skulptur mit anderen Medien?

Die Ergebnisse des Kolloquiums werden unmittelbar in die Ausstellung „Impressionistische Skulptur“ einfließen, die das Städel Museum vom 19. März bis 28. Juni 2020 zeigt.

Termin
31. Januar und 1. Februar 2019
Kosten
Die Teilnahme ist kostenfrei
Anmeldung
Um Anmeldung wird gebeten. Bitte nutzen Sie das Online-Formular.
Veranstaltungsort
Metzler-Saal, Städel Museum
Hinweis
Bitte beachten Sie, dass nur begrenzt Sitzplätze zur Verfügung stehen.

Öffentlicher Abendvortrag

Do, 31.1., 19.00 Uhr
Was ist und zu welchem Ende studieren wir „impressionistische“ Plastik?
Prof. Dr. Bernhard Maaz (Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen)

Der Abendvortrag kann auch unabhängig von der Teilnahme am Passavant-Kolloquium im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Standpunkte zur Kunst“ besucht werden.

Programm

Donnerstag, 31.1.2019

13.00 Uhr
Begrüßung und Einführung

13.15 Uhr
Fabienne Ruppen, Städel Museum, Frankfurt:
„Impressionistische Skulptur“ – Fragen zur Terminologie
Woher stammt die Bezeichnung "impressionistische Skulptur" und welche Werke wurden und werden darunter gefasst? Ausgehend von den wenigen Skulpturen, die zwischen 1874 und 1886 in den sogenannten Impressionisten-Ausstellungen in Paris zu sehen waren sowie ersten Erwähnungen in zeitgenössischen Quellentexten soll der Begriff geschärft werden.

14.00 Uhr
Dr. Dominik Brabant, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt:
Rodin als Impressionist? Zur Geschichte einer problematischen Redeweise
Für heutige Museumsbesucher mag es überraschend sein, Rodins Schaffen im Kontext des Impressionismus zu sehen - zu sehr sind wir von einer symbolistischen Lesart seines Œuvres geprägt, die vor allem in der Rezeption des monumentalen "Höllentors" (ab 1880) entstanden ist und die eine pessimistisch-anthropologische Ausdeutung seiner Werke verfolgte. Der Vortrag geht der Entstehung und dem Nachleben einer genuin impressionistischen Wahrnehmung von Rodins Skulpturen und Plastiken nach, und zwar mit Blick sowohl auf die französische Kunstkritik seit den 1870er-Jahren als auch hinsichtlich der deutschsprachigen Kunstliteratur der Jahre um 1900.

14.45 bis 15.15 Uhr
Kaffeepause

15.15 Uhr
Dr. Eva Mongi-Vollmer, Städel Museum, Frankfurt:
„Il fonde magistralement la sculpture impressioniste“ – Medardo Rosso
Seit den 1880er-Jahren galt Medardo Rosso in der zeitgenössischen Kunstkritik Frankreichs als der impressionistische Bildhauer par excellence. Doch warum überhaupt? Wie betrachten wir sein Œuvre aus der historischen Distanz und welche Aspekte seines Schaffens können dazu beitragen, Kriterien für eine "impressionistische Skulptur" zu formulieren? An ausgewählten Beispielen geht der Vortrag diesen Fragen nach.

16.00 Uhr
Dr. Nina Schallenberg, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin:
Luft und Licht – Zur Inszenierung impressionistischer Skulpturen
Das Licht und die sphärischen Farben spielen in der Malerei des Impressionismus eine zentrale Rolle. Übertragen in den Bereich der Skulptur führte diese Ästhetik nicht allein zu einer neuartigen Gestaltung der plastischen Oberflächen, sondern auch zu neuen Strategien hinsichtlich der Inszenierung der Werke. Letztere stehen im Zentrum des Vortrags.

16.45 bis 17.15 Uhr
Kaffeepause

17.15 Uhr
Prof. Dr. Dietmar Rübel, Akademie der Bildenden Künste München:
„Weg mit all den zeitraubenden Details!“ Die impressionistische Plastik und das Fotografische
Bei dem Versuch in der zweiten Hälfte des langen 19. Jahrhunderts die Flüchtigkeit des modernen Lebens einzufangen, werden sowohl die Produktion als auch die Rezeption von Kunstwerken durch das Fotografische maßgeblich modifiziert. Der Vortrag widmet sich den daraus resultierenden Interdependenzen von plastischen und fotografischen Verfahren in der impressionistischen Kultur.

19.00 Uhr
Öffentlicher Abendvortrag
Prof. Dr. Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München:
Was ist und zu welchem Ende studieren wir „impressionistische“ Plastik?

Freitag, 1.2.2019

9.00 Uhr
Dr. Alexander Eiling, Städel Museum, Frankfurt:
Katalysator Skulptur. Wechselwirkungen zwischen den Gattungen im Werk von Edgar Degas
Degas zählt in technischer Hinsicht zu den komplexesten Künstlern des 19. Jahrhunderts, da er ungewöhnlich viele verschiedene Herstellungsverfahren nutzte. Er verwendete klassische Zeichenmaterialien, malte mit Tempera, Ölfarben oder Essence auf Leinwand oder Papier, schuf Pastelle, Radierungen, Lithographien, Monotypien und experimentelle Fotografien. Zudem hinterließ Degas zahlreiche, meist kleinformatige Wachsskulpturen, die sowohl als eigenständige Bildwerke wie auch als motivisches Vorlagenmaterial dienten. Ziel des Vortrags ist es, die besondere Funktion der Plastik in diesem sich gegenseitig befruchtenden Wechselspiel der Medien aufzuzeigen.

9.45 Uhr
Dr. Astrid Reuter, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe:
Experiment und Erfindung. Neue Wege in der Druckgrafik
Die künstlerische Erneuerung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führt auch in der Druckgrafik zu einem Bruch mit hergebrachten Gestaltungsformen. An die Stelle des technisch perfekten Auflagendrucks tritt die Wertschätzung des individuellen Abzugs, in dem die Handschrift des Künstlers sichtbar bleibt und das Unvollkommene zum Gestaltungsmittel erhoben wird. Der Wunsch nach der Wiedergabe von Stimmung, Bewegung und Zeitlichkeit wird zum Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer, den Zufall herausfordernder Verfahren, welche die unkonventionelle Bearbeitung der Platte, den individuellen Auftrag der Farbe sowie den eigenhändigen Druck und die Sichtbarkeit von Arbeitsspuren einschließen.

10.30 bis 11.00 Uhr
Kaffeepause

11.00 Uhr
Dr. Yvette Deseyve, Alte Nationalgalerie Berlin:
Raum und Licht in den Porträts Paolo Troubetzkoys
Paolo Troubetzkoys kometenhafter Aufstieg wurde allzu schnell mit dem Abglanz der Dargestellten aus der gehobenen Gesellschaftswelt der Jahrhundertwende in Verbindung gebracht. Mehr denn je wird heute seine außergewöhnliche Modelliertechnik geschätzt, die durch Licht- und Raumgestaltung einen essentiellen Beitrag zur impressionistischen Skulptur leistet.

11.45 Uhr
Dr. Philipp Demandt, Städel Museum, Frankfurt:
„Die Journalisten nennen mich den Segantini der Skulptur.“ – Rembrandt Bugatti
Rembrandt Bugatti schuf in den wenigen Jahren vor seinem Tod mit 31 Jahren ein umfangreiches bildhauerisches Œuvre. Er konzentrierte sich in seinem Schaffen weitgehend auf ein neues Thema: das exotische Tier, das er in den zoologischen Gärten von Paris und Antwerpen vor Ort modellierte. Die Schnelligkeit und Flüchtigkeit seiner tierischen Modelle korrespondierte dabei mit seiner Arbeitsweise, die nach einer Phase langer Beobachtung von großer Spontanität geprägt war. Die frühe Zusammenarbeit mit dem besten Bronzegießer seiner Zeit, A. A. Hébrard in Paris, sicherte ihm die optimale Übertragung seiner Plastilin-Modelle durch Wachs-Ausschmelzverfahren in dünnwandige Bronzen, die die Eigenarten seiner spontanen Arbeitsweise in ein dauerhaftes Material überführte.

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