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Kunst zu erforschen und zu bewahren ist elementarer Teil der Museumsarbeit. Erfahren Sie mehr über aktuelle Forschungs- und Restaurierungsprojekte und werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der wissenschaftlichen Abteilungen. Forschenden und Besuchern bieten wir verschiedene Recherchemöglichkeiten – vor Ort und digital.

Recherchieren
im Städel

Die Graphische Sammlung im Städel Museum bewahrt etwa 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart und gehört zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in Deutschland. Lassen Sie sich die sensible Kunst im Studiensaal zeigen. 

In der Bibliothek & Mediathek des Städel Museums erhalten Sie vertiefende Einblicke in die Welt der Kunst. Die Präsenzbibliothek bietet allen Interessierten audiovisuelle Medien, Bilder sowie umfangreiche Literatur.

Das historische Archiv des Städel Museums vereinigt mehr als 150 Jahre Museums- und Sammlungsgeschichte. 

Erfahren Sie mehr und informieren Sie sich über Anmeldung und Öffnungszeiten. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Digitale Sammlung

Schlendern Sie digital durch 700 Jahre Kunst oder suchen Sie gezielt nach Ihrem Lieblingswerk.

Aktuelle
Forschungsprojekte

Die museale Forschung erhält und erweitert das Wissen über das kulturelle Erbe, das in Museen bewahrt wird und bildet die wissenschaftliche Grundlage für Sammlungen und Ausstellungen. 

Johann David Passavant und das Städelsche Kunstinstitut (1840–1861)

Im Jahre 1840 berief das Städelsche Kunstinstitut Johann David Passavant (1787–1861) zum Inspektor (Direktor). Der ausgebildete Künstler entstammte einer Frankfurter Kaufmannsfamilie und gehörte zur ersten Riege wissenschaftlicher Kunstexperten in Europa. Ihre profunde Fachkenntnis erwarb sich diese frühe Generation der Kunsthistoriker durch intensive Forschung an Originalen und im gegenseitigen Austausch. Nach Stationen in Paris und Rom, Forschungsreisen durch Europa sowie zahlreichen kunsthistorischen Publikationen (u. a. zu Raffael, 1839) erhielt Passavant schließlich seine lang erhoffte Stelle am Städel.

Bis zu seinem Tod 1861 erwarb er herausragende Zeichnungen (beispielsweise von Dürer und Raffael) und Gemälde (Jan van Eyck, „Lucca-Madonna“) sowie Drucke und Fotografien, in denen sich sein Qualitätsbewusstsein ebenso zeigt wie ein medienübergreifendes Denken. Bis heute gilt Passavant als wegweisend für die Professionalisierung des wissenschaftlichen Kunstmuseums.

1994 widmete das Städel Museum Passavant bereits eine erste Ausstellung, die von Margret Stuffmann und Hildegard Bauereisen kuratiert wurde. Auf diese Arbeiten wie auf Joachim Jacobys Forschungen zu Johann Friedrich Städels Zeichnungssammlung baut das aktuelle Forschungsprojekt auf. Es stellt dabei Passavants Konzept für das Städelsche Kunstinstitut ins Zentrum und untersucht, welche inhaltlichen Schwerpunkte Passavant setzte und wie er das Kunstinstitut auch international positionieren wollte. Dafür werden zunächst sämtliche Berichte der Administration während der Amtszeit Passavants, des Weiteren seine 37 Reisenotizbücher und weitere Archivalien ausgewertet, um so unter anderem auch vertiefte Informationen zu den Werken der Sammlung zu gewinnen.

Das seit Januar 2025 laufende Forschungsprojekt wird von der Stiftung Gabriele Busch-Hauck finanziert und 2027 in eine Ausstellung münden.

Projektleitung
Dr. Corina Meyer, Abteilung Graphische Sammlung

Raffael
Thronende Madonna mit Kind und dem Heiligen Nikolaus von Tolentino, ca. 1502 – 1504

Bericht Johann David Passavant an die Administration, 29. Juni 1841, aus: Berichte des Inspector J.D. Passavant an die Administration (1840-1861)

Kunsttechnologische Untersuchung von Raffaels Zeichnungen

Als Herz der Graphischen Sammlung des Städel Museums gelten die elf eigenhändigen Zeichnungen Raffaels, die den umfangreichsten Werkbestand des Künstlers in einem deutschen Museum bilden. Fünf dieser Werke werden 2026 in der großen Raffael-Ausstellung des Metropolitan Museum in New York zu sehen sein. Die Ausleihe ermöglichte vertiefte Untersuchungen, die über die üblichen Überprüfungen von Leihgesuchen hinausgehen. Moderne Technologien erlauben es, den Erhaltungszustand präziser zu dokumentieren, etwaigen Risiken bei Transport und Präsentation vorzubeugen sowie Material und angewandte Techniken genauer zu untersuchen. Zum Einsatz kamen neben dem bildgebenden Verfahren der MSI-Kamera (Multispectral Imaging) auch die μ-XRF-Analyse (Mikro-Röntgenfluoreszenzanalyse).

Die durchgeführten Untersuchungen bestätigten bisherige Vermutungen zu Technik und Arbeitsweise Raffaels und lieferten zugleich weitere Erkenntnisse zur Materialität der Zeichnungen. Die MSI-Kamera ermöglicht Aufnahmen im Durchlicht, durch die Papierstrukturen und mögliche Wasserzeichen sichtbar werden. Darüber hinaus machen Ultraviolett- und Infrarotaufnahmen frühere Restaurierungen, Alterungsprozesse im Papier sowie Vorzeichnungen erkennbar.

Besonders aufschlussreich war die erstmals an diesen Werken durchgeführte μ-XRF-Analyse. Bei der Zeichnung „Studie eines Kriegers zu Pferd“ (ca. 1511–1512) konnte bestätigt werden, dass es sich um Silberstift und nicht um einen anderen Metallstift handelt. Zudem sind unter der Grundierung Spuren einer Quadrierung nachweisbar, die auf eine Übertragungstechnik schließen lassen.

Das Werk „Studie zum Diogenes der ‚Schule von Athen‘“ (ca. 1508–1510), eine Silberstiftzeichnung auf rosa grundiertem Papier, zeigte in der UV-Aufnahme einen Erhaltungszustand, der sich bislang nicht erahnen ließ. Zugleich gibt sie Aufschluss über die Zusammensetzung der Grundierung, die Bleiweiß enthält. Doch erst die μ-XRF-Analyse lieferte Hinweise auf das rote Pigment, bei dem es sich um Zinnober handelt. Die Grundierung war ursprünglich ein dunkles Rosa, ist heute jedoch ausgeblichen und verbräunt. 

Bei den drei weiteren Zeichnungen handelt es sich um Federzeichnungen: Die „Thronende Madonna mit Kind und dem Heiligen Nikolaus von Tolentino“ (ca. 1502–1504), die „Sitzende Madonna mit Kind“ (ca. 1500–1502) sowie die „Studie zur ‚Disputa‘“ (ca. 1508–1509). 

Mit diesen Untersuchungen ist es dem Städel Museum gelungen, einen wichtigen Beitrag zur internationalen Forschung und zum wissenschaftlichen Austausch zu leisten.

Projektleitung
Jutta Keddies, Leiterin Kunsttechnologie und Restaurierung – Zeichnung, Grafik, Fotografie

Raffael, Studie eines Kriegers zu Pferd, ca. 1511 – 1512

Raffael
Studie eines Kriegers zu Pferd, ca. 1511 – 1512

MA-XRF Detail Spektrum Silber zur „Studie eines Kriegers zu Pferd“

Raffael
Studie zum Diogenes der "Schule von Athen", ca. 1508 – 1510

Raffael
Studie zum Diogenes der „Schule von Athen“, (ca. 1508 – 1510); UV-Aufnahme

Forschungsprojekt zu Georg Swarzenski (1876-1957)

In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts prägte der Kunsthistoriker Georg Swarzenski die Frankfurter Kulturlandschaft maßgeblich – als Direktor des Städelschen Kunstinstituts, Gründungsdirektor der Städtischen Galerie und des Liebieghauses sowie später als Generaldirektor der Frankfurter Museen. Als ausgewiesener Mittelalterspezialist setzte er mit seinen Ankäufen zugleich auch Schwerpunkte in der zeitgenössischen Kunst, holte die französische Moderne, Max Beckmann und den deutschen Expressionismus in die Sammlung des Städel Museums. 

Seiner beispielhaften Museumstätigkeit setzte der Nationalsozialismus ein jähes Ende. 1938 musste Swarzenski gemeinsam mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten fliehen. Dort prägte er bis 1956 als Wissenschaftler und Kurator die Mittelalterabteilung des Boston Museum of Fine Arts.

Swarzenski zählt neben Persönlichkeiten wie Hugo von Tschudi, Ludwig Justi, Gustav Pauli oder Max Sauerlandt zu den wichtigen Protagonisten der deutschen Museumsreformbewegung. Bis heute fehlt jedoch eine umfassende Darstellung seines Lebens und Wirkens im zeitgeschichtlichen Kontext. Um diese Forschungslücke zu schließen, werden seit 2024 die relevanten Quellen im Archiv des Städel Museums sowie externer Archive recherchiert und ausgewertet. Eine geplante Publikation soll 2028 erscheinen und die Biografie des Kunsthistorikers und Museumsdirektors für eine breite Öffentlichkeit zugänglich machen.

Projektleitung
Dr. Regina Freyberger, Leiterin Graphische Sammlung ab 1800
Dr. Iris Schmeisser, Leiterin Provenienzforschung und historisches Archiv

Unbekannter Fotograf
Georg Swarzenski, 1912, Privatbesitz USA

Provenienzforschung & Historisches Archiv

Im Fokus der Provenienzforschung standen im Jahr 2025 die umfangreichen Vorbereitungen für das Projekt „Systematische Provenienzforschung zum Bestand Zeichnungen der Graphischen Sammlung des Städel Museums“, für das eine Förderung beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste beantragt wurde und das im Herbst 2026 starten soll. Parallel dazu wurde die Überarbeitung und transparente Veröffentlichung sämtlicher Provenienzen der vor 1946 entstandenen und nach 1933 erworbenen Gemälde in der Digitalen Sammlung des Städel Museums kontinuierlich fortgeführt.

Seit Oktober 2025 ist das digitale Roederstein-Jughenn-Archiv online zugänglich. Für die Präsentation ausgewählter Text- und Bilddokumente aus dem Nachlass der Künstlerin Ottilie W. Roederstein – der rund 1.000 Briefe und über 3.000 bisher erschlossene Fotografien und Werkreproduktionen umfasst – wurde gemeinsam mit der Abteilung Moderne und der Digitalen Sammlung ein Prototyp entwickelt, der als Baukasten für zukünftige digitale Archivprojekte dienen soll. Gefördert wurde das mehrjährige Projekt von der Rudolf-August Oetker-Stiftung, der Damengesellschaft des Städelschen Museums-Vereins sowie einer privaten Spenderin. 

Projektleitung
Dr. Iris Schmeisser, Leiterin Provenienzforschung und historisches Archiv

Digitales Roederstein-Jughenn-Archiv, Ansicht Modul Netzwerk, Städel Museum, Frankfurt am Main

Digitales Roederstein-Jughenn-Archiv, Ottilie W. Roederstein, Fotografie, um 1895–1891, Städel Museum, Frankfurt am Main

Neue Erkenntnisse zur Maltechnik Schuchs: Die technologische Untersuchung dreier Stillleben

Im Vorfeld der Ausstellung „Carl Schuch und Frankreich“ (24.9.2025–1.2.2026) untersuchte die Abteilung für Kunsttechnologie und Restaurierung drei Stillleben des Künstlers, darunter das Gemälde „Äpfel auf Weiß, mit halbem Apfel“ (ca. 1886–1894) aus der Sammlung des Städel Museums. Formen und Strukturen, die mit dem bloßen Auge auf den Oberflächen der drei Gemälde erkennbar sind und nicht mit den sichtbaren Darstellungen korrespondieren, ließen verworfene und übermalte Kompositionselemente vermuten und boten den Anlass für die Untersuchungen. Die Werke wurden im Auf- und Streiflicht, unter ultravioletter Strahlung sowie mit dem Stereomikroskop studiert. Weitere Informationen zum Bildaufbau lieferten Infrarotreflektografie, Röntgenuntersuchung und Mikro-Röntgenfluoreszenzanalyse.

Im Rahmen dieser Studie konnte die komplexe Arbeitsweise Schuchs nachvollzogen werden. Unter jedem der drei Werke befindet sich eine verworfene, übermalte Darstellung eines Stilllebens. Es wird deutlich, dass Schuch seine Leinwände mehrfach verwendete und seine Kompositionen vorab nicht vollständig durchplante, sondern erst im Verlauf des Malprozesses entwickelte. Die Untersuchungsergebnisse wurden in der Schau präsentiert und sind in einem Essay im Ausstellungskatalog dokumentiert.

Ansprechpartnerinnen
Eva Bader und Linda Schmidt, Kunsttechnologie und Restaurierung – Gemälde und moderne Skulpturen, Städel Museum

Carl Schuch, Äpfel auf Weiß, mit halbem Apfel, ca. 1886 – 1894

Carl Schuch
Äpfel auf Weiß, mit halbem Apfel, ca. 1886 – 1894

Carl Schuch
Äpfel auf Weiß, mit halbem Apfel, ca. 1886 – 1894; Detail der verworfenen Komposition, Verteilung von Zinkweiß und Zinnoberrot im Mikro Röntgenfluoreszenz-Scan

Ausstellungsansicht „Carl Schuch und Frankreich“, Foto: Städel Museum – Norbert Miguletz

Bestandskatalog „Deutsche Gemälde im Städel Museum 1725–1800“

Das seit 2023 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt widmet sich der wissenschaftlichen Bearbeitung eines bisher kaum erschlossenen Sammlungsbereichs des Städel Museums: den im deutschsprachigen Raum entstandenen Gemälden des 18. Jahrhunderts.

Der erstmals umfassend zu bearbeitende Bestand von rund 120 Werken zeichnet sich durch eine für die deutsche Malerei des 18. Jahrhunderts typische Heterogenität und starke regionale Prägung aus. Zu den Spitzenstücken zählen Gemälde von Angelica Kauffmann, Jakob Philipp Hackert und das international berühmte Meisterwerk „Goethe in der römischen Campagna“ (1787) von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, das 2025 erstmals seit rund 50 Jahren wieder eingehend analysiert wurde. Moderne Methoden wie die Mikro-Röntgenfluoreszenzanalyse ermöglichten dabei neue Einblicke in Materialität und Malweise. Daneben machen kleinformatige Kabinettbilder der sogenannten Frankfurter „Goethe-Maler“ einen Großteil des Sammlungsbereichs aus, darunter Werke von Christian Georg Schütz d. Ä., Justus Juncker, Johann Georg Trautmann und Johann Conrad Seekatz. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Porträts der Frankfurter Patrizierfamilie von Holzhausen und Werken der süddeutschen Rokokomalerei.

Wie alle Bestandskataloge der Altmeistersammlung zeichnet sich auch die Bearbeitung dieser Gemälde durch die enge Verschränkung von kunsthistorischen und gemäldetechnologischen Perspektiven aus. Von der Mikroskopie, über Infrarotreflektografie bis hin zur Mikro-Röntgenfluoreszenzanalyse kommen dabei aktuelle Untersuchungsmethoden zur Anwendung und bieten Einblicke in den Entstehungsprozess der Werke. Jedes Bild wird mit seiner Geschichte dokumentiert und vor dem Hintergrund kunst- und kulturgeschichtlicher Forschungsfragen diskutiert, wobei Diskurse aus den Bereichen der Künstlersozialgeschichte, der Niederlande-Rezeption und der Kunstmarktforschung von besonderer Relevanz sind. Die Ergebnisse werden in einem wissenschaftlichen Bestandskatalog publiziert.

Projektleitung
Dr. Friederike Schütt, Deutsche, niederländische und flämische Gemälde vor 1800

Gemäldetechnologische Untersuchungen 
Dipl.-Rest. Lilly Becker, Kunsttechnologie und Restaurierung – Gemälde und moderne Skulpturen, Städel Museum

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
Goethe in der römischen Campagna, 1787

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
Goethe in der römischen Campagna, 1787; Infrarotreflektografie

Bestandskatalog Italienischer Barockzeichnungen des 17. Jahrhunderts

Die Frankfurter Zeichnungsbestände des italienischen Barocks gehen zu einem großen Teil auf Johann Friedrich Städel (1728–1816), den Gründer des Museums zurück. Anzahl und Qualität der in seinem Besitz befindlichen Handzeichnungen fanden bereits bei Zeitgenossen Bewunderung, wie Goethes rühmende Worte zu den Guercino-Zeichnungen im Anschluss an einen Besuch bei Städel im Oktober 1815 beispielhaft belegen.

Das Forschungsprojekt zu den italienischen Barockzeichnungen des Städel Museums wurde 2021 begonnen und von der Frankfurter Stiftung Gabriele Busch-Hauck finanziert. Nach einer Gesamtaufnahme des ca. 500 Zeichnungen umfassenden Bestandes lag der Fokus auf einer Auswahl von 90 Werken, die teilweise zum ersten Mal umfassend wissenschaftlich untersucht wurden. Die Ergebnisse dieser Forschungen wurden der Öffentlichkeit 2024 im Rahmen der Ausstellung „Fantasie und Leidenschaft. Zeichnen von Carracci bis Bernini“ präsentiert. Begleitend erschien ein fundierter Katalog mit Beiträgen von Stefania Girometti, Sonja Brink, Jutta Keddies und Carel Tuyll van Serooskerken.

Die nach Qualität und Funktion ausgewählten Werke vermitteln einen Eindruck vom breiten Spektrum an Techniken und den vielfältigen Anwendungen des zeichnerischen Mediums im Italien des 17. Jahrhunderts. Zeichnungen von prominenten Vertretern der barocken Kunst – etwa Annibale, Agostino und Ludovico Carracci, Guercino, Stefano della Bella, Gianlorenzo Bernini und Salvator Rosa – wurden zusammen mit Werken von heute weniger bekannten Künstlerpersönlichkeiten wie Giovanni Maria Morandi und Ciro Ferri betrachtet. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Bestand führte zu neuen Zuschreibungen und ikonografischen Deutungen sowie zur Etablierung neuer Zusammenhänge innerhalb des Œuvres einzelner Künstler. Dabei spielten die von der Leitung der Restaurierungswerkstatt unternommenen materialtechnischen Analysen der Zeichnungen eine zentrale Rolle.

Die Bearbeitung der Werke erfolgte in engem Austausch mit den beiden Mentoren des Projektes, Dr. Sonja Brink (Düsseldorf) und Dr. Carel van Tuyll van Serooskerken (Amsterdam), der leitenden Papierrestauratorin des Städel Museums Jutta Keddies, den Sammlungsleitern der Grafischen Sammlung vor 1800 Dr. Martin Sonnabend und Dr. Astrid Reuter sowie zahlreichen internationalen Kolleginnen und Kollegen aus Wissenschaft und Forschung. Das Projekt der Stiftung Gabriele Busch-Hauck trug maßgeblich dazu bei, das Erforschen, Ausstellen und Vermitteln des zeichnerischen Bestands am Städel Museum zu stärken.

Projektleitung
Dr. Stefania Girometti

Gian Lorenzo Bernini, Männliches Porträt im Dreiviertelprofil nach rechts, ca. 1635

Gian Lorenzo Bernini
Männliches Porträt im Dreiviertelprofil nach rechts, ca. 1635

Kunsttechnologische Untersuchungen mit der Multispektralkamera

In der Restaurierungswerkstatt für Zeichnung, Druckgrafik und Fotografie gibt es seit Dezember 2022 eine Multispektralkamera. Dieses neu entwickelte, filterlose Kamerasystem (Book2net, Fa. Microbox) ermöglicht schonende Aufnahmen in unterschiedlichen Wellenlängen des Spektralsektors und eröffnet damit bahnbrechende Möglichkeiten der kunsttechnologischen Untersuchung von Arbeiten auf Papier.

Im Unterschied zu Gemälden ist die kunsttechnologische Erfassung von Werken auf Papier noch immer eine Besonderheit. Bisherige Methoden sind angesichts der Vielzahl und Fragilität der Werke oft zu zeitaufwendig, vor allem jedoch invasiv und in konservatorischer Hinsicht eine unzumutbare Belastung. Folglich blieben bisher zahlreiche Forschungsfragen unbeantwortet.

Das neue System ermöglicht berührungsfreie Aufnahmen bei gleichzeitiger Mehrfach-Analyse in kürzester Zeit. Wasserzeichen und Papierstrukturen können sichtbar gemacht werden, Bezeichnungen, Stempel oder gar Kunstwerke auf Rückseiten, die durch Kaschierungen unzugänglich sind, werden ‚lesbar‘. Alte Restaurierungen treten zutage, Alterungsprozesse im Papier sowie Vorzeichnungen sind zu entdecken. Jede Restaurierungsmaßnahme kann dadurch auf Erkenntnissen aufbauen, die das Risiko einer restauratorischen Fehlentscheidung erheblich minimieren.

Selbst beim Erkennen von Fälschungen kann das Gerät helfen, da Zeichenmittel in bestimmten Wellenlängenbereichen unterschiedlich reagieren. Zinkweiß beispielsweise, erst seit 1834 bekannt, kann nicht in einem Werk des 17. Jahrhunderts vorkommen.

Im Städel wird die Kamera zur Analyse der Arbeiten auf Papier vor allem im Bereich der Kunst vor 1900 zur Anwendung kommen. Aktueller Gegenstand der Untersuchung sind insbesondere die italienischen Barockzeichnungen, die dank der Förderung der Stiftung Gabriele Busch-Hauck bearbeitet und in einem Auswahlbestandskatalog publiziert werden.

Projektleitung
Jutta Keddies, Leiterin Kunsttechnologie und Restaurierung – Zeichnung, Grafik, Fotografie

Pietro da Cortona
Alexanderschlacht; Auflicht, Durchlicht (Papierstruktur), NIR 940 (Vorzeichnung), UVF 365 nm (Bleiweißhöhungen, biologischer Befall) (v.l.n.r.)

Aktuelle
Restaurierungs-
projekte

Konservierung und Restaurierung ermöglichen, die teilweise sehr fragilen Kunstwerke öffentlich präsentieren zu können, und erhalten die Arbeiten für nachfolgende Generationen.

Rembrandt Harmensz. van Rijn, „Die Blendung Simsons“, 1636

Das Jahr 2025 markierte den Beginn der umfassenden konservatorischen und restauratorischen Behandlung eines der bedeutendsten Werke der Städel Sammlung: „Die Blendung Simsons“ (1636) von Rembrandt Harmensz. van Rijn. Ergänzt wird das Vorhaben von intensiver konservierungswissenschaftlicher Forschung. Das monumentale Historiengemälde, über zwei Meter hoch und mehr als drei Meter breit, zählt zu den zentralen Hauptwerken der europäischen Kunstgeschichte. Natürliche Alterungsprozesse der von Rembrandt verwendeten Materialien sowie historische Überarbeitungen und frühere Restaurierungen haben im Laufe der Jahrhunderte Spuren am Gemälde hinterlassen. 

Seit Oktober 2025 befindet sich das Werk in der Restaurierungswerkstatt des Städel Museums. Im Rahmen des Projekts werden zunächst umfassende kunsttechnologische Untersuchungen durchgeführt. Dazu zählen Röntgenaufnahmen, Infrarotreflektografie, UV- und Streiflichtuntersuchungen sowie Mikroskopie und Mikro-Röntgenfluoreszenz-Analyse. Ziel ist es, ein präzises Verständnis der originalen Maltechnik Rembrandts sowie der nachträglichen Eingriffe zu gewinnen. 

Auf dieser Grundlage erfolgt die konservatorische Behandlung des Bildträgers, die Entfernung nicht originaler Materialien aus vorangegangenen Restaurierungen, die Festigung der Malschicht sowie eine behutsame Rückführung des Erscheinungsbildes in Einklang mit der ursprünglichen künstlerischen Intention Rembrandts. Ein neuer Rahmen nach historischem Vorbild wird das Werk schließlich auch äußerlich wieder angemessen zur Geltung bringen.

Die Maßnahmen verfolgen über das Ziel der Wiederherstellung der ästhetischen Wirkung des Gemäldes hinaus auch dessen langfristige Bewahrung. Die im Zuge der Restaurierung gewonnenen Erkenntnisse werden des Weiteren der kunsthistorischen und konservierungswissenschaftlichen Forschung sowie zukünftigen Konservierungsvorhaben zugutekommen. Das restaurierte Gemälde wird voraussichtlich in drei bis vier Jahren in neuem Glanz wieder im Ausstellungskontext zu sehen sein.

Restauratoren
Stephan Knobloch, Leiter Kunsttechnologie und Restaurierung - Gemälde und moderne Skulpturen
Linda Schmidt, Diplom-Restauratorin

Sammlungsleiter
Prof. Dr. Jochen Sander, Sammlungsleiter Deutsche, Holländische und Flämische Malerei vor 1800

Gefördert durch
Art Conservation Project der Bank of America

Rembrandt Harmensz. van Rijn
Die Blendung Simsons, 1636

Rembrandt Harmensz. van Rijn
Die Blendung Simsons, 1636; Werkstattansicht

Rembrandt Harmensz. van Rijn
Die Blendung Simsons, 1636; Mikro-Röntgenfluoreszenz-Scan (µ-XRF-Scan) mit Detailansichten

Meister von Flémalle, Robert Campin und Werkstatt, „Flémaller Tafeln: Heilige Veronika und Stillende Gottesmutter“ (ca. 1428–1430)

Zwischen 2019 und 2025 wurden die Gemälde „Heilige Veronika“ (ca. 1428–1430) und „Stillende Muttergottes“ (ca. 1428–1430) des Meisters von Flémalle einer umfassenden kunsttechnologischen Erforschung sowie einer konservatorischen und restauratorischen Bearbeitung unterzogen. Ziel der Arbeiten war die langfristige Sicherung der empfindlichen Substanz und die Wiederherstellung der ursprünglichen Wirkung der Gemälde. Dabei konnten zudem wichtige neue Erkenntnisse für die kunsthistorische Forschung gewonnen werden. Die Restaurierungsarbeiten kombinierten modernste kunsttechnologische Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Infrarotreflektografie und Mikro-Röntgenfluoreszenz mit sorgfältiger konservatorischer Arbeit. So konnte die fragile Malschicht gefestigt und vergilbte Firnisschichten, nicht originale Übermalungen sowie frühere Retuschen behutsam entfernt werden. Fehlstellen wurden geschlossen, rekonstruiert und die ursprüngliche Farbigkeit und Detailgenauigkeit der Gemälde wiederhergestellt. 

Der stark beschädigte Brokathintergrund im Werk „Heilige Veronika“ konnte präzise rekonstruiert werden, wobei die Verwendung einer sogenannten Lochpause nachgewiesen wurde – eine Technik, mit der aufwendige Muster durch eine mit feinen Löchern versehene Vorlage und das Einreiben von Kohlestaub auf die Bildoberfläche übertragen wurden. Beim Gemälde „Stillende Muttergottes“ lag der Fokus auf der Bearbeitung der großflächigen Beschädigungen in den dunkelblauen Farbpartien, insbesondere im Madonnenmantel, dessen originaler Faltenwurf freigelegt und behutsam retuschiert wurde.

Gemeinsam mit der dritten Flémaller Tafel, dem „Gnadenstuhl“ (ca. 1428–1430), sind beide Werke nach sieben Jahren intensiver Forschungs- und Restaurierungsarbeit nun wieder im Sammlungsbereich Alte Meister zu sehen.

Restauratoren
Stephan Knobloch, Leiter Kunsttechnologie und Restaurierung – Gemälde und moderne Skulpturen
Linda Schmidt, Diplom-Restauratorin

Sammlungsleiter
Prof. Dr. Jochen Sander, Sammlungsleiter Deutsche, Holländische und Flämische Malerei vor 1800

Gefördert durch
Enthusiasten des Städelschen Museums-Vereins e.V.

Meister von Flémalle
v. l. n. r. Heilige Veronika, Zustand vor und nach Restaurierung; Stillende Gottesmutter, Zustand vor und nach Restaurierung 

Meister von Flémalle
Heilige Veronika; Rekonstruktion des Brokathintergrundes

Meister von Flémalle
Stillende Muttergottes (Detail); Zustand während der Firnisabnahme und Abnahme gealterter Retusche

Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten in der Graphischen Sammlung

Die Arbeit in der Restaurierungswerkstatt der Graphischen Sammlung stand im Jahr 2025 neben Ausstellungsvorbereitungen, Bestandspflege, materialtechnologischen Untersuchungen sowie der restauratorischen Bearbeitung zahlreicher Neuzugänge und Schenkungen im Zeichen der Konservierung und Optimierung der Lagerbedingungen der Sammlung. Zu den wesentlichen Aufgaben bei der Bearbeitung von Neuzugängen zählen neben der Sichtung und Beurteilung der Werke restauratorische Eingriffe zur langfristigen Erhaltung der Werke sowie ihre fachgerechte konservatorische Lagerung.

Einen besonderen Schwerpunkt bildete die Schenkung des Frankfurter Mäzens Hans-Jürgen Hellwig, die mehr als 4.000 Werke des Künstlers Honoré Daumier (1808–1879) umfasst. Die Bearbeitung, insbesondere jedoch die konservatorische Aufarbeitung dieses Konvoluts, stellte eine große Herausforderung dar und machten eine Optimierung des Depots des Städel Museums erforderlich. Hierfür wurden die Grafiken und Zeichnungen zunächst von ihren bisherigen Passepartouts gelöst, veraltete und teilweise nicht mehr den heutigen Standards entsprechende Montierungen entfernt sowie erforderliche Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt. Anschließend wurden die Grafiken in Mappen aus säurefreiem Karton eingebettet und die Zeichnungen in maßangefertigte Passepartouts montiert. Ergänzend wurden neue Regale angeschafft und die Werke in passgenauen Kassetten eingelagert.

Zusätzlicher Lagerplatz konnte durch eine Umstrukturierung des Tresors geschaffen werden. Hierfür wurden sämtliche Kassetten bewegt, überprüft und neu geordnet.

Auch im Bereich Fotografie konnte sich einem umfangreichen Konvolut angenommen werden. Die Ausstellung „Frankfurt forever! Fotografien von Carl Friedrich Mylius“ (12.2.2025–1.6.2025) bot den Anlass, sich intensiv mit dem durch frühere Schenkungen gewachsenen Bestand an Werken des Frankfurter Fotografen zu befassen. Dank der großzügigen Unterstützung der Cronstetten-Stiftung konnte der gesamte Bestand der Fotografien konservatorisch und restauratorisch bearbeitet werden. Die Werke, die häufig vollflächig auf Untersatzkartons kaschiert waren, wurden gereinigt und vermessen; zudem wurden vereinzelt kleinere Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt. Anschließend erfolgten ihre fachgerechte Montage in maßgefertigten Passepartouts sowie die sichere Lagerung in Kassetten.

Projektleitung
Jutta Keddies, Leiterin Kunsttechnologie und Restaurierung – Zeichnung, Grafik, Fotografie

Daumier-Werke vor der Bearbeitung

Neue Regale mit neuen Kassetten beinhalten bearbeitete Daumier-Schenkung

Konservatorisch bearbeitete Mylius-Sammlung

Pieter Aertsen, „Marktstück mit Christus und der Ehebrecherin“, 1559

Pieter Aertsen gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Gattung des Markt- und Küchenstücks in der flämischen Malerei des 16. Jahrhunderts. Sein Gemälde „Markstück mit Christus und der Ehebrecherin“ (1559) zählt zu den Hauptwerken der flämischen Malerei im Städel Museum und zu den herausragenden Gemälden im Œuvre des Künstlers.

Das Gemälde befindet sich seit 1904 im Besitz des Museums und wies typische Merkmale einer bewegten und komplexen Restaurierungsgeschichte auf. Frühere Eingrifft hatten zum Teil die Bildästhetik stark verändert und verfälscht. Zudem musste das Bild dringend konserviert werden, um es der Nachwelt weiterhin zu erhalten.

Aus diesen Gründen wurde das Gemälde seit Anfang 2024 umfassend konserviert und restauriert. Im Zuge der Maßnahmen wurden ältere, nicht originale Firnisschichten und fehlfarbene Retuschen entfernt. Die Arbeiten konnten 2025 erfolgreich abgeschlossen werden, sodass das Gemälde nun wieder im Sammlungsbereich Alte Meister ausgestellt ist.

Pieter Aertsen
Marktstück mit Christus und der Ehebrecherin, 1559

Pieter Aertsen
Marktstück mit Christus und der Ehebrecherin, 1559; Zustand vor Konservierung und Restaurierung 

Pieter Aertsen
Marktstück mit Christus und der Ehebrecherin, 1559; Detail während der Firnisabnahme

Karel Appel, „Porträt Emmanuel Looten“, 1956

Das Porträt Emmanuel Looten stammt aus der Serie der „Têtes d’orage“ (Sturmköpfe), die Karel Appel zwischen 1955 und 1956 in Paris schuf. Als Bildträger verwendete Appel ein mitteldickes Naturfasergewebe, das er dem Anschein nach eigenhändig aufspannte und grundierte. Charakteristisch für seine Malweise sind wilde, pastose Farbaufträge mit breiten Pinseln und Palettmessern, die eine lebhafte, bewegte Oberflächenstruktur erzeugen. Das zuletzt aufgebrachte, schwarze Farbmaterial drückte er direkt aus der Tube auf die Leinwand. Im Laufe der Zeit war es zwischen den Malschichten und dem Untergrund – abhängig von den jeweiligen Farbbereichen – zur partiellen Schichtentrennung gekommen. Besonders betroffen waren die schwarzen Farbaufträge, die sich vom Untergrund abhoben. Hier waren bereits Fehlstellen entstanden. Außerdem war die Gemäldeoberfläche durch aufliegende und anhaftende Verschmutzungen stark verunreinigt, sodass das ästhetische Erscheinungsbild des Gemäldes maßgeblich beeinträchtigt war. 

Die im Restaurierungsatelier des Städel Museums durchgeführten Maßnahmen verfolgten das Ziel, weiterem Substanzverlust vorzubeugen und die ursprüngliche Wirkung des Werks wiederherzustellen. Gefährdete Partien in der Malschicht wurden daher mit einem Klebemittel gefestigt und es erfolgte eine Oberflächenreinigung. Fehlstellen wurden mit einer Kittmasse geschlossen und schließlich durch Retusche farblich in die umgebenden Bereiche integriert.

Karel Appel
Porträt Emmanuel Looten, 1956; Gesamtansicht nach Abschluss der Restaurierung (links), Detail vor der Restaurierung (oben), Detail während der Restaurierung (mittig), Detail nach der Restaurierung (unten)

Restaurierung im Städel

Restaurierung von Gemälden und Moderner Skulptur im Städel Museum

Zeichnung, Grafik, Fotografie

Die Graphische Sammlung des Städel Museums beherbergt über 100.000 Arbeiten auf Papier vom 14. bis 21. Jahrhundert. Dazu zählen ca. 25.000 Handzeichnungen, Aquarelle und Pastelle sowie über 70.000 Druckgrafiken. Die Sammlung Fotografie umfasst über 5.500 historische und zeitgenössische Werke.

Damit die fragilen Werke auch für die nächsten Generationen so ursprünglich wie möglich erlebbar bleiben, sind präventive Maßnahmen nötig: Der schädliche Einfluss von Licht kann durch eine reduzierte Ausstellungsdauer und entsprechend gedimmtes Licht vermindert, Schäden am Werk können durch kontrollierte klimatische Bedingungen sowie die Verwendung von hochwertigen Materialien beispielsweise bei der Montierung vermieden werden. Auch deshalb werden Arbeiten auf Papier stets in Passepartouts oder speziell angefertigten Mappen aufbewahrt.

Um den Erhalt der Werke dauerhaft zu sichern, müssen nach heutigem Wissensstand unsachgemäße oder gealterte Montierungen oder Hinterklebungen, Verschmutzungen und Risse, die beispielsweise durch die Aufbewahrung in nicht ganz passenden Mappen entstanden sind, und durch lange Hängungen im Tageslicht entstandene Lichtschäden behandelt werden.

Darüber hinaus werden in der Grafikrestaurierung Zeichnungen und Druckgrafiken hinsichtlich der verwendeten Zeichenmittel, des Papiers und des Werkprozesses kunsttechnologisch untersucht. Diese wissenschaftlichen Analysen, die zur heutigen akademischen Ausbildung und dem Studium der Papierrestaurierung gehören, sind für die weitere Behandlung der Werke essenziell, sie liefern aber auch für die kunsthistorische Forschung wichtige Erkenntnisse.

Gemälde und moderne Skulpturen

Die Abteilung Kunsttechnologie und Restaurierung – Gemälde und moderne Skulpturen des Städel Museums betreut einen Bestand von mehr als 3.000 Gemälden und dreidimensionalen Objekten aus der Zeit vom 14. Jahrhundert bis zur unmittelbaren Gegenwart sowie zahlreiche Dauerleihgaben, die in die Museumssammlung integriert sind.

Eine zentrale Aufgabe der Museumsrestauratoren ist die Entwicklung von Konzepten zur präventiven Konservierung. Dabei werden die Bedingungen optimiert, unter denen Kunstwerke in Galerie- und Depoträumen präsentiert und aufbewahrt werden. Dies betrifft beispielsweise Fragen zu Raumklima und Lichtschutz. Hinzu kommt die durch Globalisierung und Klimaerwärmung international begünstigte Migration von Schädlingen, die in vielen Museen zunehmend zum Problem werden. Im Städel Museum mussten Strategien zur Bekämpfung sogenannter Papierfischchen entwickelt werden; an der Ausarbeitung des entsprechenden Integrated Pest Management (IPM) waren die Restaurierungswerkstätten im Städel beteiligt.

Darüber hinaus sind die Restauratoren gefragt, wenn Gemälde und Skulpturen an Partner-Museen in aller Welt ausgeliehen werden. Sie untersuchen und dokumentieren den Erhaltungszustand der Kunstwerke, bereiten sie vor und überwachen bei einer Ausleihe oftmals den Transport „von Nagel zu Nagel“. Ebenso genau dokumentiert wird der Erhaltungszustand von Leihgaben, die das Städel Museum für seine Sonderausstellungen erhält.

Schlagen die Sammlungsleiter des Städel Museums Werke zum Ankauf für die Sammlung vor, so werden diese, wenn möglich, im Restaurierungsatelier auf Erhaltungszustand und Authentizität untersucht. Kann das betreffende Werk nicht zur Ansicht ans Museum geliefert werden, führen Restauratoren oftmals vor Ort eine erste Analyse durch.

Auswahl aktueller
Neuerwerbungen

Im Städel Museum werden Werke aus über 700 Jahren Kunst gesammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt. Durch gezielte Ankäufe und Schenkungen wird der Bestand des Hauses kontinuierlich ausgebaut und weiterentwickelt. Eine Übersicht der einzelnen Neuerwerbungen pro Jahr bietet unser Geschäftsbericht.

  • Thronende Muttergottes
    Köln, um 1320/1330

  • Laurent de La Hyre
    Himmelfahrt Mariens, um 1650-55

  • Rembrandt Bugatti, Fressender Löwe, 1908 (Guss 1908)

    Rembrandt Bugatti
    Fressender Löwe, 1908 (Guss 1908)

  • Mathilde Battenberg
    Porträt Peter Carl MacKay, 1915

  • Pauline Kowarzik
    Stillleben mit bunten Blumen, Zwiebeln und Steinkrug, 1913

  • Louise Nevelson
    Series of an Unknown Cosmos XL, 1979

  • Fritz von Uhde
    Damenbildnis (Porträt Therese Karl), 1890

  • Käthe Kollwitz
    Heraus mit unsern Gefangenen, 1919

  • Werner Tübke
    Beerdigung im winterlichen Tienschan-Gebirge, 1962

  • Hanna Nagel
    o. T. (Die ganz alte Frau), 1927

  • Ottilie W. Roederstein
    Ergebung, 1918

  • Heinrich Hoerle
    Vordermann, 1932

  • Leiko Ikemura
    Floating Face, 2009

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