Zeichen der Freundschaft
24.11.2021–6.3.2022

Ulrike Crespo beschenkt das Städel Museum

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Eines der bedeutendsten Vermächtnisse der letzten Jahre verdankt das Städel Museum der Frankfurter Fotografin Ulrike Crespo (1950–2019). Als Zeichen der Freundschaft hinterließ sie dem Städel über 90 Gemälde und Zeichnungen, darunter Meisterwerke von Franz Marc, Otto Dix, Oskar Schlemmer, Max Ernst, Jean Dubuffet, Cy Twombly und anderen. Sie ergänzen die Städelsche Sammlung auf glücklichste Weise.

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Ausstellung

Über die Ausstellung

Das Städel Museum würdigt Ulrike Crespos beeindruckende Geste mit einer Sonderausstellung. Unter dem Titel „Zeichen der Freundschaft. Ulrike Crespo beschenkt das Städel Museum“ treten vom 24. November 2021 bis zum 6. März 2022 ausgewählte Arbeiten aus dem Vermächtnis in einen Dialog mit Werken aus der Sammlung des Städel Museums. Es werden insgesamt 72 Arbeiten gezeigt, darunter 44 aus dem Vermächtnis von Ulrike Crespo. Die geschenkten Werkgruppen und Einzelpositionen korrespondieren in der Ausstellung immer wieder mit Arbeiten aus dem Bestand des Städel Museums: Sie beziehen sich aufeinander, bereichern sich gegenseitig und schließen auch Lücken, die beispielsweise 1937 durch die Beschlagnahme von Kunstwerken im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ durch die Nationalsozialisten entstanden sind.

Kuratorin: Dr. Regina Freyberger (Leiterin Graphische Sammlung ab 1750, Städel Museum)

Abbildung: Oskar Schlemmer, Bauhaustreppe, 1931, erworben 2019 als Vermächtnis von Ulrike Crespo aus der Sammlung Karl Ströher, Foto: Städel Museum, Frankfurt am Main

„Mit ihrem Vermächtnis reiht sich Ulrike Crespo ein in beste Frankfurter Bürgertradition, verdankt sich doch schon die Gründung des Städel Museums solch einer mäzenatischen Tat. Dabei ergänzen die Meisterwerke aus dem Nachlass von Ulrike Crespo die Bestände des Städel Museums auf das Schönste.“

Philipp Demandt, Direktor, Städel Museum
Galerie

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    Otto Dix, Köpfe, ca. 1923

    Otto Dix
    Köpfe, ca. 1923
    Aquarell und Feder in Schwarz auf Velinpapier
    Blatt: 334 × 505 mm
    Erworben 2019 als Vermächtnis von Ulrike Crespo aus der Sammlung Karl Ströher
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2021
    Foto: Städel Museum, Frankfurt am Main

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    Max Ernst, Grätenwald, 1927

    Max Ernst
    Grätenwald, 1927
    Öl auf Leinwand
    45.5 × 37.5 cm
    Erworben 2019 als Vermächtnis von Ulrike Crespo aus der Sammlung Karl Ströher
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2021
    Foto: Städel Museum, Frankfurt am Main

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    Wassily Kandinsky, Kallmünz – Hellgrüne Berge, 1903

    Wassily Kandinsky
    Kallmünz – Hellgrüne Berge, 1903
    Öl auf vorgrundierter Leinwand
    23.5 × 32.8 cm
    Erworben 2019 als Vermächtnis von Ulrike Crespo aus der Sammlung Karl Ströher
    Foto: Städel Museum, Frankfurt am Main

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    Paul Klee, Tannenwald, 1914

    Paul Klee
    Tannenwald, 1914
    Aquarell auf Velinpapier
    Blatt: 214 × 141 mm
    Erworben 2019 als Vermächtnis von Ulrike Crespo aus der Sammlung Karl Ströher
    Foto: Städel Museum, Frankfurt am Main

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    Tom Wesselmann, Study for Seascape #6, 1965

    Tom Wesselmann
    Study for Seascape #6, 1965
    Acrylfarbe über Bleistift auf Velinpapier
    Blatt: 222 x 235 mm
    Erworben 2019 als Vermächtnis von Ulrike Crespo aus der Sammlung Karl Ströher
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2021
    Foto: Städel Museum, Frankfurt am Main

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    László Moholy-Nagy, Graue Überschneidungen, 1930

    László Moholy-Nagy
    Graue Überschneidungen, 1930
    Tempera und Feder in Rot über Bleistift auf Velinpapier
    Blatt: 400 × 298 mm
    Erworben 2019 als Vermächtnis von Ulrike Crespo aus der Sammlung Karl Ströher
    Foto: Städel Museum, Frankfurt am Main

Alle Werke, die Ulrike Crespo für das Städel Museum bestimmte, sind auch in einem Album in der Digitalen Sammlung zu entdecken.

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Ulrike Crespo

Über Ulrike Crespo

  • Ulrike Crespo, Foto: Chris O'Dell

Die Fotografin, Psychotherapeutin und Philanthropin Ulrike Crespo (1950–2019) gründete 2001 die Crespo Foundation in Frankfurt, die mit zahlreichen Projekten gesellschaftlich Benachteiligte fördert und dabei einen Schwerpunkt auf Bildung und Kreativität legt. Zugleich unterstützte sie Künstlerinnen und Künstler sowie Kunstinstitutionen und baute eine Sammlung zeitgenössischer Kunst auf. Bildende Kunst war ihr ein existenzielles Anliegen – und hatte Familientradition.

„Ulli Crespo war eines sehr wichtig: Die Kunst sollte der ganzen Gesellschaft zugänglich sein. Sie wollte es noch mehr Menschen ermöglichen, ihre Persönlichkeit durch die sinnlich-ästhetische Erfahrung von Kunst und Kultur zu entfalten – und gründete auch dafür ihre Stiftung, die Crespo Foundation. Ihr Vermächtnis an das Städel Museum folgt dieser Logik.“

Christiane Riedel, Vorständin, Crespo Foundation

Ursprünglich waren die dem Städel Museum vermachten Werke Teil der weit umfangreicheren Sammlung von Karl Ströher (1890–1977), Ulrike Crespos Großvater. Geprägt von der eigenen Vorliebe für Arbeiten auf Papier – Karl Ströher war selbst begeisterter Zeichner –, aber auch durch den Austausch mit befreundeten Künstlern wie Willi Baumeister, mit Kunsthistorikern wie Will Grohmann und mit Galeristen erwarb Ströher nach dem Zweiten Weltkrieg Werke der Klassischen Moderne und der unmittelbaren Zeitgenossenschaft, vom Expressionismus bis zur US-amerikanischen Pop-Art.

Film

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Wissenswert

Wissenswert

Themenkapitel im Überblick

Die Ausstellung ist nach Werkgruppen weitestgehend chronologisch in sieben Kapitel gegliedert:

  • Bauhaus
  • Wege in die Abstraktion
  • Expressionismus
  • Einzelwerke
  • Jean Dubuffet
  • Nachkriegsmoderne
  • US-amerikanische Kunst
Bauhaus

Das Ausstellung beginnt mit den vielleicht wichtigsten Neuzugängen für das Städel Museum, mit Werken der einstigen Bauhauslehrer Oskar Schlemmer, Paul Klee, Lyonel Feininger und László Moholy-Nagy. Da alle Lehrkräfte dieser 1919 gegründeten, interdisziplinären Kunstschule angehalten waren, ihre eigene ästhetische Vision deutlich zu vermitteln, bündelte das Bauhaus viele formal eigenständige und für die Moderne wichtige Positionen. Auch wenn nicht alle in diesem Kapitel versammelten Werke unmittelbar am Bauhaus entstanden, zeigen sie doch dessen charakteristische Suche nach einer neuen Formensprache. Landschaft und Figur werden mal zeichenhaft reduziert, mal kubistisch zerlegt oder geometrisch konstruiert.

Zeichnungen von Schlemmer und Moholy-Nagy waren in der Graphischen Sammlung des Städel Museums dabei bisher gar nicht oder nur als Leihgaben vertreten. Schlemmers Aquarell zur längst ikonischen Bauhaustreppe (1931) sowie seine beiden malerisch experimentellen Figurengruppen in Öl auf Ölpapier von 1942 schließen mit Moholy-Nagys geometrisch-abstrakter Komposition Graue Überschneidungen (1930) diese Lücke nun auf höchstem Niveau.

Wege in die Abstraktion

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten Adolf Hölzel sowie die Künstler des „Blauen Reiter“ Wege in die Abstraktion eingeschlagen. Hölzel, der sich um 1905 von einer rein gegenständlichen Malerei löste, prägte als Lehrer in Stuttgart und wichtiger Theoretiker nicht nur Oskar Schlemmer, Johannes Itten oder Ida Kerkovius, die später am Bauhaus wirkten, sondern beispielsweise auch Willi Baumeister. Etwa zur selben Zeit fand in München die Künstlervereinigung „Blauer Reiter“ zu neuen formalen Möglichkeiten. Für Kandinsky, der später gleichfalls am Bauhaus lehrte, entstand wahre Kunst losgelöst von der äußeren Welt aus innerer Notwendigkeit. Sein Schaffen ist dank Ulrike Crespo am Städel Museum mit der frühen Landschaft in Öl, Kallmünz – Hellgrüne Berge, und (seit 2016) einer Improvisation in Aquarell erfahrbar, der Zeichner Franz Marc mit einer einfühlsamen Pferdestudie in Bleistift aus einem Skizzenbuch von 1910/11.

Expressionismus

Neben Hölzel in Stuttgart und dem „Blauen Reiter“ in München bildete sich um 1905 mit der Künstlergemeinschaft „Brücke“ in Dresden ein weiteres Zentrum der Moderne. „Unmittelbar und unverfälscht“ wollten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, aber auch Emil Nolde schaffen. Die vermachten Werke dieser Künstler sowie des ihnen nahestehenden Christian Rohlfs fügen sich dabei nahtlos in die reichen Expressionismus-Bestände des Städel Museums und damit in die einstige Sammlung Carl Hagemanns (1867–1940) ein. Mit dem Kopf Ernas von 1912 verfügt das Städel nun über den einzigen bekannten Abzug dieses seltenen Holzschnitts von Ernst Ludwig Kirchner. Einen neuen Aspekt bringt das farbenprächtige, expressive Aquarell anonymer Großstadtmenschen von Otto Dix, das im schöpferischen Ausdruck an Nolde anschließt und doch ein ganz anderes koloristisches Temperament wie auch Menschenbild verrät.

Einzelwerke

Neben den größeren Werkgruppen zur Klassischen Moderne gelangten mit dem Vermächtnis auch für sich stehende, bedeutende Einzelwerke ins Städel Museum. Sie stammen von Gustav Klimt und Paula Modersohn-Becker, von Fernand Léger und Max Ernst, von Ben Nicholson und Alberto Giacometti und fächern über ein halbes Jahrhundert internationaler Schaffensvielfalt auf. Ein Höhepunkt ist Max Ernsts surrealistisches Gemälde Grätenwald von 1927: Es kombiniert ‚klassische‘ Malerei mit experimentellen Verfahren; Zufall und freie Assoziation werden Teil der Bildfindung.

Jean Dubuffet

Dubuffet sah in der Unmittelbarkeit und Unverstelltheit der Kunst von Kindern und psychisch Beeinträchtigten eine größere Glaubwürdigkeit als in der Formensprache ausgebildeter Künstler. Ihn interessierte scheinbar formlose Materie, das Erdige, Schrundige. Sand, Gips und andere ungewöhnliche Materialien verwendete er als Malgrund, in den er ritzte oder auf den er spachtelte. Eindrucksvoll ist dies gerade in den beiden vermachten Werken nachvollziehbar, einem Gemälde und einem Relief aus Papiermaché, die mit grafischen Arbeiten aus dem eigenen Bestand in Dialog treten.

Nachkriegsmoderne und US-amerikanische Kunst

An Dubuffet schließt die Werkgruppe um Willi Baumeister an, einen der wichtigsten Protagonisten der deutschen Nachkriegsmoderne. Werke von ihm, aber auch von Julius Bissier und Fritz Winter bilden in der Schenkung eine wichtige Gruppe. Sie werden ergänzt um US-amerikanische Kunst. Karl Ströher, der zunächst Werke von Sam Francis und Cy Twombly erwarb, kaufte 1968 die Pop-Art-Sammlung des New Yorker Versicherungsmaklers Leon Kraushar, die wesentlich den internationalen Ruf seiner Sammlung bestimmte. Im Städel Museum, das etwa zur selben Zeit US-amerikanische Kunst auf Papier zu erwerben begann, vertiefen die geschenkten Werke diesen seitdem kontinuierlich ausgebauten Sammlungsschwerpunkt. Die Ausstellung macht so nicht nur die Vielfalt der internationalen Kunst von 1905 bis 1965, sondern auch das Sammeln als lebendigen Prozess erfahrbar.

Blick in die Ausstellung

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    Ausstellungsansicht
    Foto: Städel Museum - Norbert Miguletz

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    Ausstellungsansicht
    Foto: Städel Museum - Norbert Miguletz

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    Foto: Städel Museum - Norbert Miguletz

Graphische Sammlung

  • Werke auf Papier, die nicht ausgestellt, aber Teil der Schenkung Ulrike Crespos sind, können sich die Besucherinnen und Besucher im Studiensaal der Graphischen Sammlung vorlegen lassen.

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