Neuerwerbungen

Ein Museum lebt durch seine wissenschaftliche Forschung, die intensive Vermittlung dieser Arbeit und nicht zuletzt durch die Erweiterung seiner Sammlungsbestände. Durch gezielte Ankäufe und Schenkungen kann der Bestand des Hauses stetig ausgebaut, vervollständigt und qualitativ weiterentwickelt werden.

Neuerwerbungen gelangen auf ganz unterschiedlichen Wegen in die Sammlung: Ankäufe werden aus dem eigenen Etat getätigt, daneben unterstützen Stiftungen und Privatpersonen das Museum bei Ankäufen, der Städelsche Museums-Verein erwirbt in bewährter Tradition Werke für das Städel, und immer wieder kommt es – ganz im Sinne von Johann Friedrich Städel – zu großzügigen Schenkungen durch Privatpersonen und Künstler. Zudem gelangen viele Neuerwerbungen im Bereich der Gegenwartskunst durch das Engagement des europaweit einzigartigen Städelkomitee des 21. Jahrhunderts in die Sammlung.

Aktuelle Neuerwerbungen

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    Martin Munkácsi: Ein Schwarm Vögel (1931–1933)

    Martin Munkácsi: Ein Schwarm Vögel (1931–1933)

    „Der Traum eines Entenjägers“, schlägt der ungarische Fotograf Martin Munkácsi als Bildtitel auf der Rückseite des Abzugs für seine Aufnahme vor. Dabei kam es ihm weniger auf die Dokumentation von Vögeln an, eher war ihm daran gelegen, einen Moment einzufangen. Nahezu abstrakt mutet der sich aus dem Wasser erhebende Vogelschwarm an, den er bildfüllend in Szene setzte. Weiter ist der Beschriftung zu entnehmen, dass die Fotografie am Lake Washington in der Nähe von Seattle entstanden sei. Solche Hinweistexte halfen den Redaktionen, die Einsendungen in den nach Stichworten geordneten Bildarchiven besser ablegen zu können. Mehrere Bezugspunkte erhöhten die Chancen zur Veröffentlichung, da die Fotografien unterschiedlichen Themen im Unterhaltungsteil von Zeitungen und Zeitschriften zugeführt werden konnten.

    Bereits 1927, als Munkácsi nach Berlin ging, fand er eine Anstellung als Fotograf im Verlag Ullstein. Er publizierte fortan regelmäßig zu Alltagsthemen in renommierten Blättern wie der „Berliner Illustrierten Zeitung“, „Die Dame“ und „Uhu“. Auch international fand Munkácsi Beachtung und war mehrfach in der Zeitschrift „Le Miroir du Monde“ vertreten, für die vermutlich auch diese kürzlich für das Städel Museum erworbene Aufnahme vorgesehen war. Dafür spricht, dass die Notiz auf der Rückseite in französischer Sprache geschrieben ist. Ab 1933 war er wegen seiner jüdischen Herkunft gezwungen, in die USA zu emigrieren. Dort wendete er sich der Modefotografie zu und arbeitete für die Magazine „Harper’s Bazaar“ und „Life“. Aufgrund seiner Verfolgung stellen heutige Vintage-Abzüge aus der Frühzeit von Munkácsis Œuvre eine große Seltenheit dar. Die Fotografie bereichert den Städelschen Bestand der 1930er-Jahre um eine weitere, aber bislang fehlende Ikone der Pressefotografie.

    Martin Munkácsi (1896–1963)
    Ein Schwarm Vögel, 1931–1933
    Silbergelatineabzug, 12,3 x 18 cm
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2021 mit Mitteln von Brigitte Emmerich
    © Estate of Martin Munkácsi

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    Hanna Nagel: o.T. (Die ganz alte Frau) (1927)

    Hanna Nagel: o.T. (Die ganz alte Frau) (1927)

    Sechs Jahre nachdem die Gleichheit von Männern und Frauen gesetzlich in der Weimarer Verfassung verankert und für Frauen der Zutritt zu deutschen Kunstakademien möglich geworden war, begann Hanna Nagel ihr Studium an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe. Wichtige Impulse empfing sie dort von Karl Hubbuch (1894–1979), dessen Zeichenunterricht sie besuchte. Hubbuchs präzise, ungeschönte Darstellungen der Menschen und Gesellschaft prägten Nagels frühes Schaffen maßgeblich. Das zeigt auch die aquarellierte Zeichnung, die dank des Städelschen Museums-Vereins jüngst erworben werden konnte. Vor allem im Umgang mit der Linie und in der Vereinzelung der Figur zeigt sich Hubbuchs Einfluss – ansonsten ist die Zeichnung ganz eigenständig, delikat in der Farbe und einfühlsam, konzentriert im Ausdruck.

    Nagel gibt die alte Frau aufrecht sitzend, in strengem Profil, mit schneckenartig gewundenem Dutt – und überraschend dynamischem Pelzkragen, den sie mit schwarzem Farbstift in einzelnen geschwungenen Linien aufs Papier zeichnete. Etwas sonderbar Lebendiges ist diesem dunklen Kragen eigen, etwas Bewegtes, das nicht recht zu der sonst so stillen, beruhigten Komposition passen will. Auch die nur mit wenigen Linien angedeutete Hand, die in symbolhafter Geste eine Blume hält und darin entfernt an Hans Holbein d. J. (bspw. dem „Bildnis des Simon George of Cornwall“, Inv. 1065, Städel Museum) erinnert, unterläuft letztlich allen Verismus. Etwas Surrealistisches schiebt sich in die Komposition, wie es so oft bei Werken der Neuen Sachlichkeit zu beobachten ist.

    Die Zeichnung ergänzt daher den Bestand an Werken der Neuen Sachlichkeit im Städel Museum auf das Beste und schließt zudem eine wichtige Lücke, denn: Hanna Nagel war in der Sammlung des Städel Museums bisher nicht vertreten.

    Zum Werk in der Digitalen Sammlung

    Hanna Nagel (1907–1975)
    o.T. (Die ganz alte Frau), 1927
    Grafit, schwarzer Farbstift und Aquarell auf festem, bräunlichem Velinpapier, 313 x 227 mm
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2022, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.
    © VG-Bildkunst, Bonn 2022

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    Ottilie W. Roederstein: Ergebung (1918)

    Ottilie W. Roederstein: Ergebung (1918)

    Das Gemälde „Ergebung“ von Ottilie W. Roederstein gehört zu einer Reihe von Arbeiten, die um 1918 unter dem Eindruck der Erlebnisse des Ersten Weltkriegs entstanden sind. Es ist typisch für Roedersteins späte Stilphase, die durch eine stärkere Abstrahierung der menschlichen Figur und durch große Klarheit im Ausdruck geprägt ist. Roederstein interessierte sich in den späten 1910er-Jahren neben den formalen und ästhetischen Funktionen von Linie und Farbe zunehmend für deren suggestive und psychologische Qualität. So ist das malerisch und koloristisch ansprechende Porträt der gebrechlichen alten Frau mit holzschnittartig überzeichneten Gesichtszügen nicht als Konterfei einer bestimmten Person aufzufassen, sondern muss als Sinnbild für die durch den Krieg verursachten Leiden – Resignation, Trauer und Einsamkeit – verstanden werden. Diese Lesart wird durch die Titel weiterer um diese Zeit geschaffener Gemälde, wie „Klage“, „Kummer“ und „Verlassen“ bekräftigt.

    „Ergebung“ markiert zudem einen wichtigen Wendepunkt in der stilistischen Entwicklung der Künstlerin und die Abkehr von ihrer zuvor verfolgten naturalistisch-impressionistischen Ausdrucksweise. Letztere kommt noch in deutlicherem Maße in dem Porträt „Die Bäuerin“ mit dem Kopftuch zum Tragen, das sich kopfstehend auf der Rückseite des Bildes befindet. Es dürfte kurze Zeit zuvor entstanden sein. Die Darstellung muss den Ansprüchen der Künstlerin nicht mehr genügt haben, sodass sie die Leinwand in Kriegszeiten kurzerhand wiederverwendete.

    Das Werk befand sich ursprünglich im Besitz von Roedersteins Schülerin Lilli Hauck-Winkelmayer (1896–1978), Tochter des Frankfurter Bankiers Otto Hauck (1863–1934) und seiner Frau Mathilde Metzler (1870–1920). Danach war sein Verbleib lange unbekannt. Nun konnte es aus dem Frankfurter Kunsthandel für das Städel Museum erworben werden. Das Gemälde dieser in Frankfurt und der Rhein-Main-Region besonders einflussreichen Malerin komplettiert die Sammlung des Städel Museums, das über einen der bedeutendsten Bestände ihrer Arbeiten verfügt.

    Ottilie W. Roederstein (1859–1937)
    Ergebung, 1918
    Rückseite: Die Bäuerin mit dem Kopftuch
    Öl auf Leinwand, 55 x 46 cm
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2022
    Public Domain

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    Heinrich Hoerle: Vordermann (1932)

    Heinrich Hoerle: Vordermann (1932)

    Der frühverstorbene Heinrich Hoerle zählt zu den Kölner Progressiven, einer Künstlergruppe, die sich in den 1920er und frühen 1930er Jahren gegen die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft wandte, aber auch der Sozialkritik der Neuen Sachlichkeit distanziert gegenüberstand. Ihre Mitglieder – Heinrich Hoerle, Franz Wilhelm Seiwert, Gerd Arntz – wollten die Gesellschaft verändern und entschieden sich daher für eine reduzierte, klare Formensprache, die in ihrer Einfachheit und Eindeutigkeit allgemein verständlich sein sollte.

    Auch die 2021 erworbene Zeichnung „Vordermann“ von Heinrich Hoerle ist von dieser Entscheidung getragen. In leuchtenden Farben sehen wir den Hinterkopf einer männlichen Figur, des titelgebenden ‚Vordermanns‘. Hoerle hat ihn typenhaft verkürzt und geometrisch abstrahierend gegeben – in leuchtende Farbflächen zerlegt wie überhaupt die ganze Komposition, auch die Landschaft mit Bäumen im Hintergrund, aus einzelnen bunten Formsegmenten zusammengesetzt ist, die farblich abgestimmt und dabei reich strukturiert sind. Hoerle, der als Autodidakt zeitlebens eine große Experimentierfreude bewies, hatte um 1931/32 Wachskreiden für sich entdeckt, die er in manchen Segmenten in langgezogenen Linien auftrug, in anderen mit gestrichelten, dann wieder kreisenden Bewegungen, und in deren Schicht er verschiedentlich ritzte, um die Farbtöne darunter oder das Papier freizulegen. All dies verleiht der im Prinzip so streng gebauten Zeichnung – trotz aller Flächengebundenheit – eine überraschend haptische und vor allem lebendige Wirkung. Auf ganz eigene Weise verarbeitete Hoerle dabei Einflüsse der Pittura Metafisica, des Kubismus, auch des Konstruktivismus.

    Mit dieser bildmäßigen, ausdrucksstarken Arbeit sowie der ebenfalls 2021 erworbenen, seltenen Lithografie „Prothesenkopf“ (Inv. 68035 D) ist das Schaffen von Heinrich Hoerle im Städel Museum nun auf höchstem Niveau vertreten. Gleichzeitig ergänzen die beiden Arbeiten die bereits im Bestand vorhandenen Druckgrafiken des Kölner Progressiven Gerd Arntz.

    Zum Werk in der Digitalen Sammlung

    Heinrich Hoerle (1895–1936)
    Vordermann, 1932
    Wachskreiden auf festem Velinpapier, 425 × 355 mm
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2021 mit Unterstützung einer privaten Spende, Eigentum des Städelschen Museums-Verein e.V.
    Public Domain

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    Leiko Ikemura: Floating Face (2009)

    Leiko Ikemura: Floating Face (2009)

    Mit „Floating Face“ (2009) erhält das Städel Museum ein besonderes Werk aus dem vielseitigen Œuvre der in Japan geborenen Künstlerin Leiko Ikemura (*1951). Die aus den Mitteln des Städelkomitees 21. Jahrhundert erworbene Arbeit steht nicht nur für das Hauptwerk der Künstlerin um die 2000er, sondern bereichert auch den Bestand der Sammlung Gegenwartskunst um eine weibliche Position der figurativen Malerei. Damit erweitert sie insbesondere thematische Schwerpunkte wie die Auseinandersetzung mit dem Porträt und Menschenbild in der Gegenwartskunst.

    Schlafende Menschen, zumeist Frauen, sind schon seit den 1990ern ein Schlüsselmotiv in Ikemuras Bilderkosmos. Meist liegen sie auf der Seite oder schweben haltlos im Raum, und so gehört auch „Floating Face“ zu der gleichnamigen Werkgruppe, die Anfang der 2000er entstanden ist.

    Wie eine Flamme scheint das Gesicht geradezu zu brennen; darunter ein heller Farbstreifen, der in Ikemuras Werken den Horizont repräsentiert und immer wieder in ihren figürlichen, aber auch abstrakt-landschaftlichen Darstellungen vorkommt.

    Das Motiv des Horizonts dient ihr als Verbildlichung des flüchtigen Moments zwischen Tag und Nacht, Diesseits und Jenseits. Auch in „Floating Face“ markiert der helle Streifen diesen transformierenden Übergang, in dem sich das ruhende Gesicht zu verorten scheint.

    Das Überschreiten von Grenzen – seien sie geografisch, kulturell oder künstlerisch – ist dabei ein Merkmal für Leiko Ikemuras Arbeiten. Neben der Verbindung von westlicher und asiatischer Kultur befasset sich Ikemura mit der Auseinandersetzung des Fremdseins. Die Arbeiten sind als Metaphern für philosophische Fragestellungen zu lesen, in denen die Motive für Transformation und Wandlung stehen.

    Über die Künstlerin

    Die aus Japan stammende Künstlerin Leiko Ikemura (*1951) studierte Literatur in Osaka und Spanien sowie später Malerei an der Escuela Superior de Bellas Artes in Sevilla. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Köln. In den 1980ern hielt sie sich in Zürich auf, wo ihre Bilder noch in der Tradition der Neuen Wilden standen und bereits erste Erfolge erzielten. Der internationale Durchbruch gelang ihr jedoch mit ihren Darstellungen von schwebenden und liegenden Mädchen, von Frauenkörpern, von sphärischen Landschaften und surrealen Wesen, die seit 1990 ihr Œuvre prägen. Ikemura ist in internationalen Sammlungen vertreten, beispielsweise im Centre Pompidou in Paris, im Kunstmuseum Basel, im Kolumba in Köln oder im Museum Kunstpalast in Düsseldorf.

    Zum Werk in der Digitalen Sammlung

    Leiko Ikemura (*1951)
    Floating Face, 2009
    Tempera auf Leinwand, 80 x 110 cm
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2021 aus Mitteln des Städelkomitees 21. Jahrhundert, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

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    Serge Poliakoff: Composition abstraite (1961/1966)

    Serge Poliakoff: Composition abstraite (1961/1966)

    Mit „Composition abstraite“ (1961/1966) gelangt ein exzeptionelles Werk von Serge Poliakoff in die Sammlung des Städel Museums. Erworben wurde das Gemälde durch das Städelkomitee 21. Jahrhundert. Als Sonderposition der geometrischen Abstraktion bereichert es den Sammlungsbereich der Nachkriegsmoderne. Poliakoff zählt neben Hans Hartung, Jean Fautrier und Jean Dubuffet zu den wichtigsten Vertretern der Nouvelle École de Paris, einem losen internationalen Zusammenschluss abstrahierender Kunstrichtungen im Paris der Nachkriegszeit.

    Die Arbeit „Composition abstraite“, welche 1961 geschaffen und 1966 vom Künstler überarbeitet wurde, stellt dabei ein ungewöhnliches und gleichsam exemplarisches Werk im Œuvre Poliakoffs dar. Wie in kaum einer anderen Arbeit reduziert er die Formensprache auf zwei sich gegenüberstehende Flächen: Energisch drängen dabei die Farbfelder des Rots und Ockers ineinander. Nur die polygonale Kontur der Farbformen durchzieht diagonal das Bildfeld. Eine für Serge Poliakoff bezeichnende, vibrierende und harmonische Präsenz der Farbmaterie bestimmt die abstrakte Komposition. Entgegen dem glatten Duktus der Hard-Edge-Malerei oder amerikanischen Farbfeldmalerei strukturieren kurze, gestische Pinselstriche die matte, teils körnige Farbe. Seine vielfältige Farbpalette mischte Poliakoff mit reinen Pigmenten selbst an. Mittels der Überlagerung von verschiedenen Schichten entsteht so die für Poliakoff typische Farbintensität.

    Mit einem schier endlosen Formenrepertoire geht Poliakoff zeitlebens dem Bestreben nach, Farbe und Form in ein perfektes Verhältnis zu überführen. Das Gemälde ist beispielhaft für Poliakoffs einzigartige Bildsprache und seine unermüdliche Suche nach der perfekten Balance zwischen Bildraum, Proportion und Rhythmus oder in den Worten des Künstlers: der „silence complete“.

    Über den Künstler

    Serge Poliakoff (1900–1969) wurde früh künstlerisch gefördert, zunächst jedoch überwiegend musikalisch. Mit der Flucht vor der Russischen Revolution 1917 gelangt er über Umwege 1923 nach Paris, seinem späteren Lebensmittelpunkt. Neben der hauptberuflichen Tätigkeit als Musiker beginnt Poliakoff ab 1929 das Malereistudium. Ende der 1930er wendet er sich der Abstraktion zu – bestärkt durch Wassily Kandinsky, Otto Freundlich und Robert Delaunay. Seine Werke befinden sich heute in den wichtigsten internationalen Sammlungen, darunter das Museum of Modern Art, New York; Solomon R. Guggenheim Museum, New York; Neue Nationalgalerie, Berlin; Stedelijk Museum, Amsterdam; Tate, London; Musée National d’Art Moderne sowie das Centre Georges Pompidou, Paris.

    Zum Werk in der Digitalen Sammlung

    Serge Poliakoff (1900–1969)
    Composition abstraite, 1961/1966
    Öl auf Leinwand, 130 x 97 cm
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2021 aus Mitteln des Städelkomitees 21. Jahrhundert, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

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    Andreas Mühe: Unterm Baum (2008)

    Andreas Mühe: Unterm Baum (2008)

    2008 entstand Andreas Mühes bis heute bekanntestes Werk: In „Unterm Baum“, wie der schlichte Titel des Werkes lautet, inszenierte er die damalige Kanzlerin in denkbar ungewöhnlicher Umgebung im Botanischen Garten von Berlin.

    In der Sammlung Gegenwartskunst des Städel Museums stellt die großformatige Fotografie eine wichtige Bereicherung dar. Mit den Sehgewohnheiten des Betrachters spielend, schließt Mühes Arbeit an Städel-Werke seiner Fotografen-Kollegen Rodney Graham oder Thomas Demand an – an das monumental-invertierte Baumporträt des Ersteren ebenso wie an die überzeitliche Nachinszenierung von Wende-Ereignissen des Letzteren.

    Zugleich wird das Städel als Ort politisch-gesellschaftlicher Kunst und Malerei der Bundesrepublik – von Anselm Kiefer bis zu den Lenin- und Trotzki-Porträts von Eugen Schönebeck – um eine wichtige, aktuelle und „ostdeutsche“ Position erweitert. Während das klassisch-feudale Herrscherporträt in der bürgerlichen Sammlung des Städel Museums wenig Niederschlag gefunden hat, spielt die Darstellung politischer Repräsentanten des 19. und 20. Jahrhunderts in Frankfurt, dem „Geburtsort der Demokratie“, für das Selbstverständnis der Stadt eine gewichtige Rolle – erinnert sei im Städel etwa an Max Liebermanns populäres Bildnis des Frankfurter Bürgermeisters Franz Adickes.

    Zum Werk in der Digitalen Sammlung

    Andreas Mühe (*1979)
    Unterm Baum, 2008
    Pigmentdruck, 167,7 × 135,8 cm
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2021 aus Mitteln des Städelkomitees 21. Jahrhundert, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.
    © Andreas Mühe, VG Bild-Kunst, Bonn 2022

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    Mary Ellen Best: Der Italiener-Saal im alten Städelschen Kunstinstitut an der Neuen Mainzer Straße (um 1838–39)

    Mary Ellen Best: Der Italiener-Saal im alten Städelschen Kunstinstitut an der Neuen Mainzer Straße (um 1838–39)

    Im Frühjahr 2021 konnte die Graphische Sammlung des Städel Museums eine Aquarell- und Deckfarbenzeichnung erwerben, die den „Italiener-Saal“ des Städelschen Kunstinstituts im Gebäude an der Neuen Mainzer Straße zeigt, welches das Museum von 1833 bis 1877 genutzt hat.

    Die Aquarellistin Mary Ellen Best, die die Zeichnung geschaffen hat, stammte aus vermögenden Verhältnissen in Nordengland und hatte in ihrer Jugend eine Ausbildung zur Zeichnerin erhalten. Als junge Frau unternahm sie Reisen auf den Kontinent, besonders nach Deutschland, und aquarellierte unterwegs was ihr gefiel und interessant erschien. Ihre Aquarelle, die mit feiner Beobachtungsgabe und gekonnter Zeichentechnik den Alltag der Zeit einfangen, schuf sie nicht für den Verkauf, sondern zum eigenen Vergnügen und sammelte sie in Alben, die in der Familie blieben.

    Aus dem Verkauf eines solchen Albums in den 1980er-Jahren waren bereits einige Ansichten von Räumen des Städelschen Kunstinstituts bekannt, die Mary Ellen Best im Jahr 1835 während ihres ersten Aufenthalts in Frankfurt gezeichnet hatte. Das neu erworbene Aquarell entstand 1838 oder 1839 während eines späteren Besuchs am Main. In gut erhaltener Farbigkeit sind die Einzelheiten der Gemälde so genau wiedergegeben, dass man sie identifizieren kann. Rechts ist die Büste des Stifters Johann Friedrich Städel zu sehen, die heute in der Eingangshalle des Städel Museums steht. Das schöne Aquarell ist nicht nur eine aufschlussreiche Quelle zur Geschichte des Museums, sondern auch eine Zeichnung von hoher Qualität, die mit ihrer Schilderung von Licht und Stimmung des Saales den Eindruck eines Museumsbesuchs im Frankfurt der späten 1830er-Jahre vermittelt.

    Zum Werk in der Digitalen Sammlung

    Mary Ellen Best (1809–1891)
    Der Italiener-Saal im alten Städelschen Kunstinstitut an der Neuen Mainzer Straße, um 1838–39
    Aquarell- und Deckfarben, teilweise mit Gummi Arabicum gehöht, und Grafitstift auf Vergépapier, 320 x 295 mm
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2021, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.
    Public Domain

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    Maximilian Klewer: Selbstporträt (1924)

    Maximilian Klewer: Selbstbildnis (1924)

    Die Kunst von Maximilian Klewer (1891–1963) ist eigenwillig: präzise und naturalistisch in der Wiedergabe, rätselhaft und vieldeutig in der Aussage. Der in Barmen (heute Wuppertal) geborene Klewer hatte ab 1911 in Berlin studiert, seit 1919 lehrte er an der dortigen Hochschule für Bildende Künste das Zeichenfach. Seine stärksten Arbeiten entstanden in den Jahren zwischen beiden Weltkriegen. Klewer entwickelte seine Kunst aus der akademischen Tradition.

    Inhaltlich und formal schöpfte er aus zahlreichen vergangenen und zeitgenössischen Quellen. So zeigen sich in seinem Werk Anklänge an die symbolistische Bildsprache Franz von Stucks oder Gustav Klimts. Auch Anregungen von Varieté und Stummfilm finden sich in seinen Arbeiten wieder. Vor allem aber wurde für Klewer das Selbstbildnis zu einem Mittel der kritischen Hinterfragung und zum künstlerischen Experimentierfeld. Mit expressiv, pantomimisch übersteigertem Ausdruck macht sich Klewer zum Akteur seiner ironischen bis surreal-symbolistischen Bildwelten.

    Zum Werk in der Digitalen Sammlung

    Maximilian Klewer (1891–1963)
    Selbstporträt, 1924
    Öl auf Leinwand, 90,2 x 70,5 cm
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2020 mit Mitteln einer privaten Spende
    © Evelyn Lehmann

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    Max Beckmann: Selbstbildnis mit Sektglas (1919)

    Max Beckmann: Selbstbildnis mit Sektglas (1919)

    Es ist eine der bedeutendsten Erwerbungen in der Geschichte des Städel Museums: Das Gemälde „Selbstbildnis mit Sektglas“ von Max Beckmann (1884–1950) konnte durch die Unterstützung der Kulturstaatsministerin, des Städelschen Museums-Vereins, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Länder sowie fünf privater Mäzene für das Städel Museum erworben werden.

    Das Gemälde, 1919 in Frankfurt entstanden, gehört zu den bekanntesten und wichtigsten Werken Max Beckmanns, der wie kaum ein anderer Künstler mit der Stadt Frankfurt und dem Städel Museum verbunden ist. Seit 2011 befand es sich als Leihgabe im Museum. Mit dem Erwerb verbleibt es nun endgültig im Städel und erweitert die Beckmann-Sammlung des Städel Museums.

    Das „Selbstbildnis mit Sektglas“ ist zu einem Sinnbild der Zwischenkriegszeit und der Weimarer Republik geworden. Es ist das dritte Selbstbildnis des Künstlers, das nach dem Ersten Weltkrieg geschaffen wurde. Hatte er sich zuvor noch als Krankenpfleger und als Maler im Atelier dargestellt, so präsentiert er sich nun, zum ersten Mal, als eleganter Lebemann in einem Nachtlokal – wahrscheinlich handelt es sich um die Bar des Frankfurter Hofs, wo Max Beckmann laut Zeitzeugen mit Vorliebe Champagner trank. Darüber hinaus frequentierte er auch das Restaurant im Wartesaal des Hauptbahnhofs, wo er Anregungen für seine Arbeit suchte. Angestrahlt von grellem Kunstlicht, sitzt der Maler mit schäumendem Sektglas und Zigarre in den Händen an der Theke – seine gezierte Haltung sowie sein kaltes Lächeln vermitteln jedoch nicht den Eindruck unbeschwerter Heiterkeit. Eine groteske Erscheinung lacht im Hintergrund; wie ein Echo wiederholt sich die Fratze bedrohlich im Spiegel auf der linken Seite.

    Max Beckmann nimmt hier eine Rolle ein, in der er in den kommenden Jahren immer wieder in Erscheinung treten wird: die des distanzierten Beobachters im nächtlichen Amüsierbetrieb. In seinen Darstellungen demaskiert er die bürgerliche Vergnügungssucht der Nachkriegszeit, deren Oberflächlichkeit und extravagante Inszenierungsformen ihm wiederholt Impulse für seine Kunst lieferten. Das „Selbstbildnis mit Sektglas“ steht exemplarisch für Beckmanns Abkehr von der spätimpressionistischen Malweise zugunsten einer charakteristischen Konturierung der Formen und expressiven Übersteigerung der Figuren. Das Bild ist damit ein Schlüsselwerk für die Entwicklung und das Verständnis des Künstlers.

    Mehr zum Werk auf dem Städel Blog

    Zum Werk in der Digitalen Sammlung

    Max Beckmann (1884–1950)
    Selbstbildnis mit Sektglas, 1919
    Öl auf Leinwand, 65,2 x 55,2 x 2,3 cm (ohne Rahmen)
    Signiert oben links in Ölfarbe: Beckmann
    Bezeichnet oben links: Frankfurt a/M Sept. 19
    WVZ: Göpel 203
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2020 mit Fördermitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, und mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder sowie privater Spenden.
    Gemeinsames Eigentum mit dem Städelschen Museums-Verein e.V. und der Ernst von Siemens Kunststiftung.
    Public Domain

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    Wilhelm Morgner: Astrale Komposition VI (1912)

    Wilhelm Morgner: Astrale Komposition VI (1912)

    Wilhelm Morgners (1891–1917) Gemälde zählt zu einer Reihe von 26 Ölgemälden und zahlreichen Papierarbeiten, die der Künstler als „Astrale Kompositionen“ bezeichnet und in der kurzen Zeitspanne zwischen 1912 bis 1913 geschaffen hat. Formal zeugt die Astrale Komposition VI (1912) von einem entscheidenden Wandel in der Malerei Morgners: Innerhalb kürzester Zeit legte er seinen in den Jahren ab 1910 entwickelten figürlich-ornamentalen Bildaufbau aus streng konturierten Flächen ab, um der reinen Farbe größere Eigenständigkeit einzuräumen. Zudem wollte Morgner sich vom Naturvorbild stärker lösen und in seiner Malerei innere Vorgänge abbilden. Der Künstler vollzog diesen Prozess anhand seines zentralen Themenkomplexes, des arbeitenden Menschen auf dem Feld. Seine Figuren, die meist in gebeugter Haltung vor dem weiten Horizont der Soester Börde erscheinen, verschmelzen sukzessive mit dem umgebenden Raum und verbildlichen so das metaphysische „Einswerden“ von Mensch und Natur. Astrale Komposition VI zeigt eine fortgeschrittene Entwicklungsstufe in diesem Prozess, wenngleich die schemenhafte Silhouette einer Gestalt im Mittelgrund noch erkennbar ist. Die beschreibende Kontur ist jedoch verschwunden und einem systematisierten Farbauftrag aus kurzen, parallel gesetzten Pinselstrichen nach dem Vorbild Vincent van Goghs (1853–1890) gewichen, womit das Gemälde in eine rhythmische Schwingung versetzt wird. Das Werk verdeutlicht überzeugend den Schwebezustand zwischen Figuration und Abstraktion, durch den Morgner eine Sonderstellung im deutschen Expressionismus einnimmt.

    Zum Werk in der Digitalen Sammlung

    Wilhelm Morgner (1891–1917)
    Astrale Komposition VI, 1912
    Öl auf Malkarton, auf Hartfaserplatte aufgezogen, 74,5 x 100 cm
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2019 mit Mitteln von Volker Westerborg, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.
    Public Domain

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    Eugen Schönebeck: Kreuzigung (1964)

    Eugen Schönebeck: Kreuzigung (1964)

    Die großzügige Schenkung des Gemäldes „Kreuzigung“ von Eugen Schönebeck erweitert den Bestand der Malerei der 1960er-Jahre um ein bedeutendes Werk. Dank des langjährigen Engagements des Berliner Rechtsanwalts und Kunstsammlers Hanspeter Rabe sind neben wichtigen frühen Zeichnungen damit nun gleich mehrere Hauptwerke Schönebecks fester Bestandteil der Sammlung. Anhand dieser Arbeiten ist es dem Städel Museum als einziges deutsches Museum möglich, Schönebecks Werk in seinen unterschiedlichen Facetten abzubilden.

    Das Gemälde zählt zu einer Serie von vier Kreuzigungsszenen, die von 1963 bis 1964 entstanden sind und sich sowohl zeitlich als auch motivisch zwischen den beiden zentralen Werkgruppen der äußerst kurzen Schaffensphase des Künstlers einordnen lassen. Etwa drei Jahre nach dem gemeinsam mit Baselitz verfassten Pandämonischen Manifest (1962) entwickelt Schönebeck seine Malerei von fleischigen, schrundigen Strukturen hin zu einer glatteren Farboberfläche – von düsteren und formlosen Kreaturen zu doppeldeutigen, sozialistischen „Heldenbildern“, beispielsweise von Lenin, Trotzki oder Mao.

    In „Kreuzigung“ wird der Übergang zwischen diesen gegensätzlichen Werkkomplexen sichtbar. Vor einem einheitlichen, hellblauen Hintergrund trägt das dunkle T-förmige Antoniuskreuz einen fleischig-unförmigen Körper. Er scheint wie eine Opfergabe über dem Holzkreuz zu hängen. In einer handähnlichen Form mündend, trägt er einen losgelösten, kahlen Kopf mit stechenden Augen. Die organischen Formen mit ihrem informellen Farbauftrag verbinden sich mit der monochromen klaren Farbigkeit der späteren Porträtmalereien.

    Eugen Schönebeck zitiert mit diesem symbolträchtigen Bildmotiv gleich mehrere kunsthistorische Themenfelder: Ikonografische Darstellungen christlicher Motive vereinen sich mit Anspielungen auf den Künstler als leidenden Isolierten und doch gleichzeitig schöpferisch Kreativen. Dem Betrachter bleibt schließlich überlassen, wie er den eindringlichen Blick der tiefliegenden Augen einordnet.

    Über den Künstler

    Eugen Schönebeck wurde 1936 in Heidenau bei Dresden geboren. Er wuchs in der DDR auf und zog 1955 nach Westberlin. Zusammen mit Georg Baselitz gehört er zu den ersten deutschen Künstlern, die die Gräuel und traumatischen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges in ihren Malereien zum Ausdruck brachten. Sein malerisches Œuvre endet 1967 abrupt und nach nur zehn Jahren.

    Zum Werk in der Digitalen Sammlung

    Eugen Schönebeck (*1936)
    Kreuzigung, 1964
    Öl auf Leinwand, 162 x 130 cm
    Städel Museum, Frankfurt am Main
    Erworben 2020 als Schenkung von Hanspeter Rabe
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

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