Forschung &
Restaurierung

Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln sind die Aufgaben eines jeden Museums. Die museale Forschung erhält und erweitert das Wissen über das kulturelle Erbe, das in Museen bewahrt wird und bildet die wissenschaftliche Grundlage für Sammlungen und Ausstellungen. Konservierung und Restaurierung ermöglichen, dass die teilweise sehr fragilen Kunstwerke öffentlich präsentiert werden können und erhalten die Arbeiten für nachfolgende Generationen.

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Eine Auswahl aktueller Projekte aus den Bereichen Forschung und Restaurierung im Städel Museum:

Forschung

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Café Deutschland. Im Gespräch mit der ersten Kunstszene der BRD

Café Deutschland“ ist ein Oral-History-Projekt über die erste Kunstszene der BRD. Es versammelt mehr als 70 Gespräche, die das Städel Museum – unter der Projektleitung von Franziska Leuthäußer – mit Künstlern, Galeristen, Kunsthistorikern, Kritikern und Sammlern geführt hat. Erstmals richtet sich der Fokus auf die Zeitzeugen, die Generation der Kriegskinder, die häufig in den Trümmern der deutschen Städte aufwuchsen und auf der Suche nach geistiger Auseinandersetzung den Weg in die Kunst nahmen.
Nach 1945 stand die deutsche Kunstszene vor der Aufgabe, ein kulturelles Erbe, das durch die Nationalsozialisten vernichtet und verfemt worden war, wiederzubeleben und weiterzuführen. Zwischen Studentenrevolte und wiedervereinigtem Deutschland entwickelte sich eine kulturelle Landschaft, von deren Früchten wir bis heute zehren. Den Wegbereitern der 50er- und 60er-Jahre haben wir es zu verdanken, dass die Bundesrepublik nach kurzer Zeit international wieder Anschluss und wertvollen Austausch gefunden hat.

Das Ziel des Projekts war es, ein Gesamtverständnis vergangener Geschichtsmomente im Umfeld der deutschen Kunstszene zu schaffen. Die Erzählungen ergänzen, überlagern und widersprechen sich, sie bereichern die Geschichtsschreibung um eine differenzierte Mehrstimmigkeit. Das Zeitfenster der Untersuchung endet mit der deutschen Wiedervereinigung 1990.

Im Kehrer Verlag ist eine umfassende Printpublikation mit Transkripten der Gespräche erschienen. Erhältlich ist die Publikation im Museums- sowie Onlineshop des Städel Museums und im Buchhandel.

Das Projekt wurde durch die langfristige Unterstützung der Art Mentor Foundation Lucerne ermöglicht.

Provenienzforschung

Bereits seit 2001 erforscht das Städel Museum systematisch die Herkunft aller Objekte, die während der NS-Zeit erworben wurden bzw. in diesem Zeitraum den Besitzer wechselten oder gewechselt haben könnten. Grundlage für diese Forschung bildet die 1998 auf der „Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust“ in Washington formulierte „Washingtoner Erklärung“ sowie die daran anschließende „Gemeinsame Erklärung“. Seitdem recherchieren Kunsthistoriker kontinuierlich in den Beständen des Städel nach in der NS-Zeit unrechtmäßig in das Haus gelangten Werken. Für jedes Objekt, das nach 1933 erworben wurde und vor 1945 datiert werden kann, wird versucht, eine möglichst lückenlose Provenienz nachzuweisen.

Parallel zu diesem laufenden Projekt beschlossen die Administration und die Direktion des Städel Museums 2008, die Geschichte der Institution während des Nationalsozialismus in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ (Universität Hamburg) unter der Leitung von Prof. Dr. Uwe Fleckner durch ein unabhängiges Expertenteam aufarbeiten zu lassen. Die Forschungsergebnisse wurden 2011 in der Schriftenreihe der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ im Berliner Akademie-Verlag unter dem Titel „Museum im Widerspruch“ publiziert.

Bisher konnte für neun Objekte aus den Gemälde- und Grafikbeständen des Städelschen Kunstinstituts und der Städtischen Galerie ein verfolgungsbedingter Vermögensverlust nachgewiesen und diese restituiert bzw. zurückerworben werden. Es handelt sich um acht Gemälde und eine Zeichnung aus ehemals jüdischem Besitz. Umfassende Fallrecherchen wurden hierbei zu den folgenden Sammlungen durchgeführt: Max Silberberg, Paul Stern, Max Meirowsky, Eduard Behrens, Alfred und Gertrude Sommerguth, Siegmund Levi und Walter Lämmle.

Das Städel Museum hat sich für die kleinteiligen und komplexen Recherchen mit zahlreichen Wissenschaftlern und Einrichtungen vernetzt und steht über mehrere Plattformen wie dem Arbeitskreis Provenienzforschung oder der sogenannten Lost-Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste in engem und stetem Austausch.

Mehr zum Thema im Städel Blog.

Digitalisierung der Handzeichnungen

In einem auf drei Jahre angelegten Projekt werden von Sommer 2015 an die Zeichnungen der Graphischen Sammlung des Städel Museums digitalisiert und anschließend online veröffentlicht. Das Städel Museum verfügt über einen Bestand von etwa 22.000 Handzeichnungen von der Zeit um 1400 bis zur unmittelbaren Gegenwart. Das Digitalisierungsprojekt, das in Zusammenarbeit mit dem Bildarchiv Foto Marburg durchgeführt und von der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft (DFG) gefördert wird, setzt sich zum Ziel, den Gesamtbestand der Zeichnungen des Städel Museums im Internet der Forschung und der kunstinteressierten Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Das Projekt selbst gliedert sich in zwei Teile. In einer insgesamt vier Monate umfassenden Foto-Kampagne werden alle Zeichnungen in Bilddateien erfasst. Parallel werden in drei Jahren die in einem Kernfeldkatalog festgelegten Metadaten zu jedem der Werke eingegeben. Mit der Online-Stellung der fertigen Datensätze in der Digtalen Sammlung soll im Frühjahr 2018 begonnen werden. Das Projekt ist den Leitern der Graphischen Sammlung, Dr. Martin Sonnabend und Dr. Regina Freyberger, zugeordnet und wird von Dr. Ralf Bormann betreut.

Abbildungen:
Albrecht Dürer, Nürnbergerin und Venezianerin (um 1495)
Jackson Pollock, Figure (1948)

Zeichnungssammlung von Johann Friedrich Städel

Mit der Stiftung des Frankfurter Bürgers Johann Friedrich Städel kam neben Gemälden und Druckgrafiken auch seine bedeutende Sammlung von über 4.500 Handzeichnungen in das Städelsche Kunstinstitut, darunter eine bemerkenswerte Anzahl herausragender Einzelblätter. Für die Institutsgeschichte ist es von besonderer Wichtigkeit, genau zu bestimmen, welche Zeichnungen des heutigen Bestands schon in Städels Besitz waren. Denn erst auf dieser Basis kann der Charakter seiner Sammlung insgesamt, können ihre Schwerpunkte, ihr Qualitätsniveau und ihre Erwerbsumstände genauer beschrieben werden. Als Folge von späteren Erwerbungen und Eingriffen, aber auch aufgrund einer komplizierten Quellenlage ist jedoch nicht ohne Weiteres ersichtlich, welche der Zeichnungen im heutigen Städel ursprünglich zur Gründungsstiftung gehörten. Das im Frühjahr 2017 begonnene Forschungsprojekt zielt daher auf die Rekonstruktion der Handzeichnungssammlung von Johann Friedrich Städel. Es ist geplant, die Ergebnisse des von Dr. Joachim Jacoby durchgeführten Projektes in einer Ausstellung mit einer repräsentativen Auswahl von Zeichnungen aus der Stiftungssammlung vorzustellen.

Abbildung: Rembrandt Harmensz. van Rijn, Der trunkene Lot (ca. 1630–1633)

Niederländische Zeichnungen des 18. Jahrhunderts

In der Graphischen Sammlung des Städel Museums hat im Dezember 2015 ein Forschungsprojekt zur Bearbeitung des Bestandes der niederländischen Zeichnungen des 18. Jahrhunderts begonnen. Mit rund 600 Blättern besitzt das Städel Museum eine der größten und der Qualität nach bedeutendsten Sammlungen außerhalb der Niederlande und einen in Deutschland einmaligen Bestand. Dieser geht auf die Gründungssammlung des Städelschen Kunstinstituts und damit auf Johann Friedrich Städel und vor allem auf seinen Freund Johann Georg Grambs zurück, einen der ersten Administratoren der Stiftung. Im Gegensatz zur Kunst des niederländischen 17. Jahrhunderts, des „Goldenen Zeitalters“ (Gouden Eeuw), die durch Künstlernamen wie Rembrandt und Vermeer einer breiten Öffentlichkeit vertraut ist, ist die niederländische Kunstproduktion des 18. Jahrhunderts außerhalb ihres Ursprungslandes weitaus weniger bekannt und bisher nur selten Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Im Besitz des Städel Museums befinden sich herausragende Werke von Künstlern wie Jacob de Wit, Isaac de Moucheron, Aert Schouman, Cornelis Troost, Jan van Huysum und anderen mehr. Ihre Kunst spiegelt einen der Aufklärung des 18. Jahrhunderts entsprechenden bürgerlichen Geschmack, der etwa in der Aufwertung und Emanzipation der Handzeichnung, der Vorliebe für bildmäßig ausgeführte, kolorierte Zeichnungen und der Auseinandersetzung mit der Kunst des „Goldenen Zeitalters“ anschaulich wird.

Zum Abschluss des von Annett Sandfort verantworteten Forschungsprojektes werden die Ergebnisse in einem Bestandskatalog mit rund 90 ausgewählten Zeichnungen präsentiert und in einer Ausstellung im Herbst 2020 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ermöglicht wird das Forschungsprojekt durch die Frankfurter Stiftung Gabriele Busch-Hauck.

Abbildung: Herman Henstenburgh, Blumengebinde, 1700, Wasser- und Deckfarben auf weiß präpariertem Pergament, 340 x 286 mm

Deutsche Zeichnungen des 20. Jahrhunderts

In der Reihe der bisherigen Bestandskataloge wird seit Oktober 2017 in der Graphischen Sammlung erstmals ein Katalog der deutschen Zeichnungen des 20. Jahrhunderts vorbereitet. Den Ausgangspunkt des Projektes und zugleich einen Schwerpunkt der Sammlung bilden die Zeichnungen von Max Beckmann und der Brücke-Künstler. Ein weiterer Sammlungsschwerpunkt sind Werke von Künstlern, die sich der Abstraktion oder der Figuration im geteilten Deutschland der Nachkriegszeit gewidmet haben. Diese Tendenzen, die ihren Ausdruck im Informel, in neoexpressionistischen Strömungen oder der Pop Art fanden, sind mit Arbeiten von Karl Otto Götz und Bernhard Schultze sowie Georg Baselitz, A.R. Penck, Sigmar Polke und Gerhard Richter reich vertreten. Die politische Geschichte des 20. Jahrhunderts mit den Brüchen des I. und II. Weltkriegs und des Nationalsozialismus wird in die Betrachtung der Sammlungsgeschichte einbezogen.

Das von Jenny Graser verantwortete Forschungsprojekt mündet in einer Publikation, die den Bestand durch eine repräsentative Auswahl von etwa 100 Werken erfassen und eine Ausstellung begleiten wird, die im Winter 2019 im Städel Museum zu sehen sein wird. Die Projektstelle wird durch die großzügige Förderung der Busch-Hauck-Stiftung ermöglicht.

Abbildung: Georg Baselitz, Oberon, 1964, Bleistift und Farbstifte auf geripptem Büttenpapier

Zeitreise – Das Städel Museum im 19. Jahrhundert

In seiner über 200-jährigen Geschichte hat sich das Städel Museum ständig gewandelt. Der Sammlungsbestand veränderte sich, aber auch dessen Präsentation. Das Projekt „Zeitreise. Das Städel Museum im 19. Jahrhundert“ rekonstruiert das Museum zu drei Zeitpunkten: die vornehmsten Räume im Haus des Gründers Johann Friedrich Städel zum Zeitpunkt seines Todes 1816, die Ausstellung im ersten Museumsgebäude an der Neuen Mainzer Straße 1833 sowie die Gemäldesäle im 1878 neu eröffneten Bau am Schaumainkai. Die Rekonstruktion war möglich, da sich historische Hängepläne erhalten haben, die neben Inventaren, Verzeichnissen und einigen Bildquellen als Grundlage dienten.

Die virtuelle Rekonstruktionsarbeit hat neue Erkenntnisse insbesondere zur Disposition in Städels Haus am Rossmarkt zutage gefördert. Interaktive Ansichten auf der Zeitreise-Website ermöglichen es, den jeweils veränderten Kontext, in dem ein Gemälde präsentiert wurde, nachzuvollziehen. Über 1000 Objekte sind durch ausführliche Provenienzangaben, Quellenzitate und Digitalisate aktueller Bestandskataloge wissenschaftlich erschlossen. Für das Jahr 1878 gelang es zusätzlich, das 3D-Modell in eine „begehbare“ Anwendung für die Virtual Reality-Brille Gear VR und den PC umzusetzen.

Das Forschungsprojekt wurde 2015/16 mit zusätzlicher Unterstützung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main und im Rahmen der Städel-Kooperationsprofessur am Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe Universität Frankfurt realisiert. Die VR-App, umgesetzt durch die Agentur NMY, wurde ermöglicht durch Samsung Electronics, Corporate Partner des Städel Museums.

Projektleitung: Prof. Dr. Jochen Sander
Wissenschaftliche Mitarbeit, Koordination und Endredaktion: Dr. Almut Pollmer-Schmidt
3D-Modelle: Yannic Jäckel

Passavant-Preis und Passavant-Kolloquium

Zur Unterstützung der Forschung an Städel Museum und Liebieghaus wird seit 1996 in Abständen von drei Jahren der Passavant-Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf den Gebieten der Kunstgeschichte und Archäologie verliehen. Außerdem finden in unregelmäßigen Abständen Fachtagungen zu unterschiedlichen Themen statt. Kolloquium und Preis erinnern programmatisch an Johann David Passavant, der nicht nur als Direktor von 1840 bis 1861 entscheidenden Anteil am Aufbau des Städelschen Kunstinstituts hatte, sondern der zugleich zu den Mitbegründern der modernen Kunstwissenschaft zählt. Das Passavant-Kolloquium und der Passavant-Preis werden durch großzügige private Unterstützung ermöglicht.

Das letzte Passavant-Kolloquium fand im November 2015 statt. Unter dem Titel „Aus der Nähe betrachtet. Bilder am Hochaltar und ihre Funktion im Mittelalter“ lag der Fokus auf mittelalterlichen nordalpinen Hochaltarbildern.

Der Passavant-Preis für kunsthistorische Forschung ging 2016 an Dr. Corina Meyer. Die Stuttgarter Kunsthistorikerin wurde damit für ihre umfassende Forschungstätigkeit zu Johann Friedrich Städel und der Gründung des Städelschen Kunstinstitutes geehrt.

Abbildung: Johann David Passavant, Selbstbildnis mit Barett vor römischer Landschaft, 1818, Öl auf Leinwand, 45 x 31,6 cm, Inv. 1585

Studien zum Kunst- und Technologietransfer

Von 2013 bis 2018 wurde am Hessischen Landesmuseum Darmstadt das von der Volkswagen-Stiftung finanzierte Forschungsprojekt „Studien zum Kunst- und Technologietransfer in Hessen und am Mittelrhein in Spätmittelalter und Früher Neuzeit auf Grundlage des Gemäldebestandes des Hessischen Landesmuseums Darmstadt“ in Kooperation mit der Städel-Kooperationsprofessur am Kunsthistorischen Institut der Goethe-Universität Frankfurt (Prof. Dr. Jochen Sander) durchgeführt. Der Frankfurter Forschungsbeitrag bezog sich unter Einsatz der Infrarotreflektografie auf die Untersuchung und Interpretation der Bildgenese von Werken, die in vielen Fällen eng mit Gemälden des Städel-Bestands zusammenhängen.

Die Goldene Tafel aus Lüneburg

Am Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover wird seit 2012 zu Technik, Gestalt, Kontext und Bedeutung der „Goldenen Tafel“, eines Hauptwerks der deutschen Kunst um 1400, geforscht. Das Projekt wird in Kooperation mit der Städel-Kooperationsprofessur am Kunsthistorischen Institut der Goethe-Universität Frankfurt (Prof. Dr. Jochen Sander), den Staatlichen Museen zu Berlin und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim durchgeführt. Es wird von der Volkswagen-Stiftung finanziert. Der Frankfurter Forschungsbeitrag zielt, vor allem unter Nutzung der Infrarotreflektografie, auf die Untersuchung und Interpretation der Bildentstehung ab, was auch mit Blick auf verwandte Werke im Städel Museum von Interesse ist.

Mittelalterliche Retabel in Hessen

Das DFG-Forschungsprojekt „Mittelalterliche Retabel in Hessen“ wurde an den kunsthistorischen Instituten der Universitäten Frankfurt am Main, Marburg und Osnabrück unter der Leitung der Professoren Jochen Sander, Ulrich Schütte und Hubert Locher (Marburg) sowie Klaus Niehr (Osnabrück) von 2011 bis 2015 durchgeführt. Das Forschungsvorhaben widmet sich den Beständen an mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Altarbildern, die innerhalb der heutigen Grenzen des Bundeslandes Hessen entstanden oder zu ihrer Entstehungszeit ihren Weg in das Gebiet fanden. Im Zuge des groß angelegten Projekts wurden mithilfe neuester Infrarotuntersuchungen auch zahlreiche Werke aus der Sammlung des Städel Museums systematisch erforscht und neu ausgewertet. Die Ergebnisse werden 2018 in einer zweibändigen Publikation veröffentlicht.

Abbildung: Evangelische Pfarrkirche, Kirchbrombach, Albansaltar, nach 1518

Röntgenfluoreszenz-Untersuchung des Altenberger Altarschreins

Vom 22. Juni bis 25. September 2016 zeigte das Städel Museum die Sonderausstellung „Schaufenster des Himmels. Der Altenberger Altar und seine Bildausstattung“. Im Zentrum stand eines der frühesten erhaltenen Altarretabel im deutschsprachigen Raum, dessen seit langem über verschiedene Sammlungen zerstreuten Einzelteile erstmals wieder zusammengeführt und gemeinsam mit der sonstigen erhaltenen Chorausstattung präsentiert wurden. Die im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung mögliche Untersuchung des Altarschreins hat zahlreiche unerwartete Ergebnisse gebracht, die ein neues Licht auf die ursprüngliche Gestaltung und Funktion dieses frühen Hochaltarretabels werfen. Da die Röntgenfluoreszenz-Untersuchung erst nach Drucklegung des Katalogs vollständig ausgewertet werden konnte, werden ihre Ergebnisse an dieser Stelle publiziert.

Zu den Forschungsergebnissen

Bestandskatalog der deutschen Barockgemälde (Teil 1: 1550–1725)

Im Rahmen des DFG-Projekts „Bestandskatalog Deutsche Malerei im Städel Museum, 1550–1800: Teil 1 (1550–1725)“ werden 76 deutsche Gemälde aus dem Zeitraum 1550–1725 mit insgesamt 82 Einzeltafeln umfassend untersucht. Zu ihnen gehört das wichtige Sammlungskonvolut von Tafeln Adam Elsheimers und seines Umkreises, das sich um den „Frankfurter Kreuzaltar“ gruppiert. Zu nennen sind auch Gemälde von Hans Rottenhammer, Georg Flegel, Paul Juvenel d. Ä., Johann Ulrich Mayr und Johann Heinrich Roos. Jedes Objekt wird mit seiner Geschichte umfassend dokumentiert und der Forschungsstand entlang wichtiger Fragestellungen präsentiert. Die anschließende Diskussion bettet die Werke in den aktuellen Forschungsdiskurs ein. In erster Linie geht es um monographische Fragestellungen, die ein Gemälde im Œuvre des jeweiligen Künstlers verorten: Zu klären sind Bildgenese, Zuschreibung und Datierung sowie Ikonographie, Entstehungskontext und Bildinhalte. Dies berührt auch übergreifende Diskurse zur deutschen Malerei der Frühen Neuzeit, in denen Fragen zur Künstlersozialgeschichte, zum regionalen und internationalen Austausch sowie zur Kunsttheorie besonders virulent sind.

Das Projekt ist dem Sammlungsleiter Prof. Dr. Jochen Sander zugeordnet und wird von Dr. Almut Pollmer-Schmidt geleitet. Die gemäldetechnologischen Untersuchungen werden von Christiane Weber (M.A.) durchgeführt.

Abbildung: Adam Elsheimer, Kreuzaltar, 1603–05, Öl auf Kupfer, 133,6 x 107 cm

Restaurierung

Restaurierung

Restaurierung und Digitalisierung der Skizzenbücher

Ergänzend zu den über 25.000 Zeichnungen und 90.000 Druckgrafiken vom Mittelalter bis zur Gegenwart verwahrt die Graphische Sammlung des Städel Museums einen einmaligen Bestand von rund 120 Skizzenbüchern, die meisten davon aus der Hand deutscher Künstler des 19. Jahrhunderts, darunter Skizzenbücher von Asmus Jacob Carstens, Carl Morgenstern, Karl Wilhelm Wach, Emil Lugo, Hans Thoma und vielen anderen. Aufgrund des fragilen Zustands von Bindung und Papier ist eine Vorlage dieser besonderen Kunstwerke im Studiensaal derzeit nur in Ausnahmefällen möglich. Um sie der Öffentlichkeit wieder uneingeschränkt zugänglich zu machen, werden die Skizzenbücher bis Ende 2019 restauriert, anschließend digitalisiert und online in der Digitalen Sammlung publiziert.

Das Projekt wird im Rahmen der Initiative „Kunst auf Lager“ durch die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Hermann Reemtsma Stiftung gefördert.

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Neuentdeckung: Ernst Ludwig Kirchners „Szene im Café“

Im Rahmen einer technologischen Untersuchung des Werkes „Schlittenfahrt im Schnee“ (1927–1929) von Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) ist im Städel Museum ein bisher unbekanntes Gemälde des bedeutenden Expressionisten und Gründungsmitglieds der Künstlervereinigung Brücke aufgetaucht. „Szene im Café“ verbarg sich unter der Leinwand der später entstandenen „Schlittenfahrt im Schnee“.

Das Gemälde wurde 1987 von dem Frankfurter Unternehmer und Mäzen Dr. Kurt Möllgaard dem Städelschen Museums-Verein geschenkt, wobei die doppelte Bespannung des Keilrahmens bisher unentdeckt blieb. Dass beide Bilder von gleicher Hand stammen, konnte durch die technologische Untersuchung belegt werden. Um sie als eigenständige Werke präsentieren zu können, wurde die „Schlittenfahrt im Schnee“ abgespannt und auf einem neuen Keilrahmen befestigt. Das neu gefundene Werk bereichert den Städelschen Bestand an expressionistischen Arbeiten um ein Gemälde, das die stilistischen Änderungen in Kirchners Spätwerk eindringlich vor Augen führt. Es baut die hochkarätige Sammlung an expressionistischen Bildwerken auf hervorragende Weise weiter aus.

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Forschung & Restaurierung zur Monet-Ausstellung

Im Vorfeld der Monet-Ausstellung hat die Abteilung für Gemälderestaurierung die impressionistischen Werke aus der Sammlung des Städel Museums untersucht, manche auch konserviert und restauriert.

Zu den Forschungsergebnissen

Altarflügel „Der Schächer zur Linken Christi“ des „Meisters von Flémalle“

Die Darstellung eines gekreuzigten Mannes und zweier Zuschauer entstand um 1430 als Teil eines monumentalen Altarbildes, das auf der Mitteltafel die Abnahme Christi vom Kreuz zeigte. Von diesem Retabel, das zu den bedeutendsten Werken der niederländischen Malerei des 15. Jahrhunderts zählte, ist nur die obere Hälfte des rechten Flügels erhalten geblieben, dessen ehemalige Außenseite die Darstellung Johannes des Täufers zeigt. Das Gemälde befindet sich seit 1840 in der Sammlung des Städel Museums.

Dieses Werk erfuhr eine umfassende Konservierung und Restaurierung, vornehmlich der als Goldbrokat gestaltete Hintergrund der Schächer-Darstellung. Das Hauptaugenmerk der Maßnahmen lag auf der verbesserten Sichtbarkeit des reliefartigen Goldgrundes. Dessen ursprüngliche Reliefstruktur war aufgrund von Materialverlusten und Überarbeitungen nicht mehr zu erkennen. Der Goldgrund zählt zu den ersten bekannten Anwendungen der Pressbrokat-Technik in niederländischen Gemälden. Die Technik simuliert auf eindrucksvolle Weise räumliche Wirkung und stoffliche Materialität.

Die Restaurierung der Tafel wurde von der Bank of America Merrill Lynch gefördert und war zusammen mit dem kunsthistorischen Kontext Gegenstand der Ausstellung „In neuem Glanz“ (15.11.2017–18.02.2018) sowie des begleitenden Ausstellungskatalogs.

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Projekte zu „Raffael bis Tizian. Italienische Zeichnungen aus dem Städel Museum“

Für die Ausstellung „Raffael bis Tizian. Italienische Zeichnungen aus dem Städel Museum“ wurden 86 Werke der Graphischen Sammlung bearbeitet. Die Abteilung begleitete den Prozess der Ausstellungsvorbereitung über zwei Jahre, in den letzten sechs Monaten vor Eröffnung der Ausstellung besonders intensiv.

Zunächst wurde der Zustand der Blätter geprüft. Papier und Zeichenmaterial sind dabei wichtige Informationsträger und liefern Hinweise, die für eine eingehendere wissenschaftliche Erforschung des Werks von großer Bedeutung sind: Wasserzeichen geben Aufschluss über die Datierung, Sammlerstempel und handschriftliche Notizen lassen Schlüsse zur Provenienz zu. Unter dem Mikroskop werden Verklebungen und Montierungsfälze vorsichtig mit dem Skalpell von den Rückseiten der Zeichnungen abgenommen, so können Notizen und weiterführende Spuren freigelegt werden. Dies trägt oftmals zur Erschließung und Zuschreibung bei. Viele Werke wurden für die Präsentation in der Ausstellung neu montiert und passepartouriert, wobei für jedes Blatt eine individuelle Lösung gesucht wurde.

Bildnachweis: Parmigianino (Francesco Mazzola),1503–1540, Bärtiger Mannskopf nach rechts, um 1523/25 (?), rote Kreide auf Papier, 18,9 × 13,1 cm

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Restaurierung von Gemälden und Moderner Skulptur im Städel Museum

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